Achtung, Action! Was aktive Sprache bringt – und wie Sie lebendige Texte hinbekommen

Aktive Sprache: Lebendige Texte schreiben. Motiv: Zwei Jungen bei einer Kissenschlacht

© Allen Taylor │ unsplash.com

Websitetexte und alle anderen Firmentexte profitieren von aktiver Sprache: So lautet ein klassischer Kommunikationstipp. Doch was ist das überhaupt: aktive Sprache? Was bringen aktive Formulierungen? Und wie schreiben Sie lebendige Texte? Diesen Fragen gehe ich in meinem heutigen Beitrag nach.

Das zeichnet aktiven Stil aus

Aktive Sprache ist präzise und eindeutig. Lebendig formulierte Texte bringen die Dinge auf den Punkt, wirken persönlich – und lassen im Idealfall klare Bilder in den Köpfen Ihrer Leser entstehen. Das heißt konkret: Aktive Sprache

  • konzentriert sich auf Tätigkeiten, Vorgänge und Befindlichkeiten,
  • rückt die handelnden Personen in den Mittelpunkt,
  • verzichtet auf unnötig komplexe Formulierungen,
  • kommt ohne sprachliche Abschwächungen und Entschuldigungen aus.

Wenn Sie zu aktiver Sprache greifen, bieten Sie Ihren (zukünftigen) Kunden direkte und unmissverständliche Informationen. Und noch dazu angenehm zu lesende Texte.

So funktioniert aktive Sprache

Bei aktiver Sprache dreht sich alles um das Verb. Das Prädikat ist Dreh- und Angelpunkt – und vom Prädikat hängen weitere Bausteine Ihrer Sätze ab. So stellen Sie die Weichen für einen lebendigen Stil:

1. Handlungen beschreiben: Sätze im Aktiv

Schreiben Sie im Aktiv. Im Gegensatz zu Passivkonstruktionen ist das Hilfsverb „werden“ überflüssig. Dadurch klingen Aktiv-Sätze dynamischer und unkomplizierter:

  • „Wir übernehmen Ihre Steuererklärung“ statt „Ihre Steuererklärung wird fristgerecht erstellt“,
  • „Melden Sie sich: Wir rufen Sie zurück“ statt „Melden Sie sich: Sie werden von uns benachrichtigt“.

Das Passiv macht nicht immer deutlich, wer eigentlich handelt: Der Handlungsträger muss kein Satzbestandteil sein. Doch wenn Sie im Aktiv formulieren, nutzen Sie Pronomen. Sie weisen ausdrücklich darauf hin, was Ihre Leser tun sollen. Oder dass Sie bestimmte Dinge anbieten, herstellen oder verkaufen. Hier stehen Personen im Zentrum Ihrer Sätze. Ihre Texte schaffen Nähe – ein klarer Pluspunkt.

2. Menschen in den Mittelpunkt: Direkte Leseransprache

Verbinden Sie Ihre Aktiv-Formulierungen mit Anredepronomen: mit dem höflichen „Sie“ oder dem zwanglosen „Du“. Pronomen wie „man“, „jeder“, „einige“ oder „viele“ sind dagegen keine gute Wahl:

  • „Stellen Sie sich vor, Ihr PC stürzt ab: Unsere Computerspezialisten (…)“ statt „Man stelle sich vor, der PC stürzt ab (…)“,
  • „Sie wünschen sich Möbel nach Maß? Wir bieten Ihnen (…)“ statt „Viele Menschen wünschen sich maßangefertigte Möbel (…)“.

Unbestimmte Pronomen verweisen auf die breite Masse. Was für „man“ oder „viele“ gilt, hilft dem einzelnen Leser nicht weiter. Anders dagegen bei der direkten Anrede: Hier gewinnt jeder Leser den Eindruck, dass genau er und kein anderer gemeint ist. Auch so stellen Sie persönliche Nähe her.

3. Prägnant statt verschachtelt: Prädikate entschlacken

Nicht nur Passivsätze klingen distanziert und sperrig. Auch unnötige Verknüpfungen von zwei Verben verkomplizieren Ihre Texte. Nutzen Sie besser schlanke Formulierungen:

  • „Sie erhalten die Ware frei Haus“ statt „Sie erhalten die Ware frei Haus geliefert“,
  • „Wir entwickeln mehrere Vorschläge“ statt „Sie bekommen mehrere Vorschläge vorgelegt“,
  • „Wenn Sie uns beauftragen, erhalten Sie Neukundenrabatt“ statt „Wenn Sie uns beauftragen möchten, erhalten Sie Neukundenrabatt“.

4. Selbstbewusstsein ausstrahlen: Formulierungen ohne Konjunktive und Modalverben

Konjunktive weisen auf Möglichkeiten hin. Doch das heißt auch: Wenn Sie mit „wäre“, „hätte“ oder „würde“ arbeiten, treten Sie nicht besonders überzeugend auf. Auch Modalverben wie „können“, „sollen“ oder „dürfen“ schwächen Ihre Aussagen ab. Greifen Sie besser zu selbstbewussten Botschaften:

  • „Wir empfehlen, rechtzeitig zu buchen“ statt „Wir würden empfehlen, rechtzeitig zu buchen“,
  • „Mit unserer Software arbeiten Sie sicher und schnell“ statt „Mit unserer Software können Sie sicher und schnell arbeiten“.

So merken Ihre Leser, dass Sie hinter Ihren Aussagen stehen: Sie werden Ihnen größeres Vertrauen entgegenbringen – und sich umso eher für Ihre Angebote entscheiden.

5. Bedeutungsstärke: Substantivierungen streichen

Einige Verben ergeben nur gemeinsam mit Substantiven sinnvolle Formulierungen. Verben wie „sorgen“, „durchführen“ und „gewährleisten“. Oder „ausüben“, „setzen“ und „legen“. Bedeutung erhalten sie erst durch die beigefügten Substantivierungen: durch Wörter, die aus Verben oder Adjektiven gebildet werden und auf „ung“, „heit“ oder „keit“ enden. Zum Beispiel „Sicherheit“, „Haltbarkeit“, „Leistung“, „Verbesserung“ oder „Genauigkeit“. Setzen Sie stattdessen lieber Verben ein, die wirkliche Handlungen beschreiben. So drücken Sie sich prägnanter aus:

  • „Durch Sporteinheiten auf unserem Heimtrainer verbessern Sie Ihre Ausdauer“ statt „Sporteinheiten auf unserem Heimtrainer sorgen für die Verbesserung Ihrer Ausdauer“,
  • „Unsere Alarmanlagen sichern Ihr Haus und Ihr Büro“ statt „Unsere Alarmanlagen gewährleisten die Sicherheit in Ihrem Haus und Ihrem Büro“,
  • „Schreiben Sie uns“ statt „Setzen Sie sich mit uns in Verbindung“.

6. Ohne Umwege: Negationen vermeiden

Es gibt diesen Satz „Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten“. Und das bekannte Phänomen, dass Sie trotzdem einen rosa Elefanten vor Augen haben. Wenn Sie Sätze mit „nicht“, „kein“ oder „keine“ nutzen, kommt schlimmstenfalls das Gegenteil Ihrer angestrebten Aussage bei Ihren Lesern an. Negationen müssen erst aufgelöst werden. Daher können Missverständnisse entstehen – vor allem bei doppelten Verneinungen. Sagen Sie daher geradeheraus, worauf es Ihnen ankommt. Und formulieren Sie positiv:

  • „Unsere Espressomaschinen sind leicht zu handhaben“ statt „Unsere Espressomaschinen sind nicht schwer zu handhaben“,
  • „Wir starten mit unserer Arbeit, sobald Sie den Auftrag bestätigt haben“ statt „Wir beginnen nicht, bevor wir nicht Ihre Auftragsbestätigung erhalten haben“.

Regelbrüche: Nicht jeder Satz braucht aktive Sprache

Ist es nun schlimm, wenn Passivsätze, Konjunktive, Modalverben oder Substantivierungen in Ihren Texten auftauchen? Hin und wieder von den Regeln der aktiven Sprache abzuweichen, ist kein Beinbruch. Im Gegenteil: Dosiert eingesetzte Regelbrüche sorgen für Abwechslung. Beispielsweise können Sie mit dem Passiv und bewussten Verneinungen gezielt Akzente setzen. Und Konjunktive und Modalverben können inhaltlich sinnvoll sein:

  • Bei einem Satz wie „Jeder Einbauschrank wird nach Ihren Wünschen angefertigt“ liegt die Betonung auf „Einbauschrank“ – ganz im Gegensatz zu „Wir stellen Einbauschränke nach Ihren Wünschen her“.
  • „Wir sind nicht die billigsten Dienstleister. Aber wir sind rund um die Uhr für Sie erreichbar“: Solche Formulierungen ergänzen die Verneinung um einen positiven Kontrast. Sie heben das Positive umso stärker hervor.
  • „Konjunktive und Modalverben können inhaltlich sinnvoll sein“: Da die Möglichkeitsform inhaltlich nicht immer vorteilhaft ist, steht „können“ zu Recht in meinem obigen Hinweis.

Erst die Dosis macht das Gift. Wenn Sie viele Passivkonstruktionen, viele Modalverben und in jedem zweiten Satz sperrige Substantivierungen verwenden, leidet die Lesbarkeit. Doch wenn Sie im größten Teil Ihrer Sätze zu aktiver Sprache greifen, gelingen Ihnen vorteilhafte Texte.

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