Geschlechtergerechte Sprache: Geschickt und leserfreundlich gendern

Geschlechtergerechte Sprache: Geschickt gendern. Geschäftsmann und Geschäftsfrau im Businessoutfit auf Straße

© Rawpixel │ unsplash.com

„Leser“, „Kunden“ oder „Mitarbeiter“: Solche Wörter sind in vielen Texten üblich. Bei Ihnen auch? Sicherlich meinen Sie damit nicht nur Männer, sondern Männer und Frauen.

Männliche Substantive oder Pronomen schließen in der Regel beide Geschlechter ein. Doch geschlechtergerechte Sprache (das sogenannte Gendern) macht Frauen sichtbar. Wenn Sie männliche und weibliche Formen verwenden, zeigen Sie interessierten Kundinnen Ihre Wertschätzung. Sie sammeln Pluspunkte – aber nur, wenn Sie leserfreundlich schreiben.

Welche Varianten des Genderns es gibt, wie Sie optimal formulieren und wann Sie auf geschlechtergerechte Sprache verzichten sollten: Das nehme ich in diesem Beitrag auseinander.

Geschlechtergerechte Sprache: Ja oder nein?

Argumente gegen das Gendern gibt es viele. Zum Beispiel, dass die Lesbarkeit leidet. Und dass männliche Bezeichnungen Frauen schon immer eingeschlossen haben. Dennoch wird geschlechtergerechte Sprache zunehmend eingefordert (auch ich bin an anderer Stelle für das Gendern eingetreten).

Doch gegenderte Sprache kann schwerfällig und sperrig wirken: ein klarer Nachteil für Ihre Websitetexte, Ihre Firmenflyer oder Ihren Newsletter. Daher empfehle ich geschlechtergerechte Sprache im Werbetext nur unter Vorbehalt. Denken Sie an die Menschen, die Sie erreichen wollen – und schreiben Sie kundenfreundlich.

Geschlechtergerechte Schreibweisen

Sie können Frauen auf unterschiedlichste Weise einbeziehen. Alle Möglichkeiten bieten Vor- und Nachteile:

Bei der Paarform stehen beide Geschlechter nebeneinander („Kundinnen und Kunden“). Weibliche und männliche Substantive fügen sich flüssig in den Text ein. Allerdings brauchen Sie mehr Worte. Vor allem, wenn Sie Artikel und/oder Adjektive voranstellen und unterschiedlich deklinieren müssen („jede neue Kundin und jeder neue Kunde“).

Neutrale Formulierungen halten Ihre Texte kurz: „Team“ statt „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ zum Beispiel. Doch einige neutrale Begriffe klingen kalt oder gewöhnungsbedürftig: „Kundschaft“ und „Personal“, „Mitarbeitende“ oder „Arbeitgebende“. Zugleich existieren vergleichsweise wenige Synonyme. Ihre Wortwahl kann zu eintönig geraten.

Schreibungen mit Binnen-I, Schrägstrich, Unterstrich, Sternchen oder Klammern fassen Männer und Frauen in einem Wort zusammen: „KäuferInnen“, „Käufer/innen“, „Käufer_innen“, „Käufer*innen“ oder „Käufer(innen)“. Die weibliche Form wird mitgelesen – aber Sonderzeichen stechen heraus und stören den Lesefluss. Auch korrekte Grammatik kann zum Problem werden. Müssen Sie weibliche und männliche Formen unterschiedlich beugen, müssten Sie „von unseren Käufer/inne/n“ oder „bei unseren Käufern*innen“ schreiben. Leserfreundlichkeit sieht anders aus.

Mit männlichen Begriffen zuzüglich Fußnote* bringen Sie Ihre Aussagen prägnant auf den Punkt. Und Sie schließen Leserinnen und Kundinnen theoretisch ein. Doch sprachlich bleiben Frauen unsichtbar: vor allem, wenn Ihre Fußnote gar nicht bemerkt wird (beispielsweise, weil Sie sie im Impressum Ihrer Website versteckt haben).

* Zugunsten besserer Lesbarkeit verwende ich nur die männliche Form. Frauen sind jedoch stets mitgemeint.

Geschlechtergerechte Formulierungen um jeden Preis?

Kommen Sie Ihren Lesern und sich selbst entgegen: damit sich Ihre Kunden gern auf Ihrer Website aufhalten, Ihre Blogartikel zu Ende lesen oder Ihre Flyer in bester Erinnerung behalten.

  • Gendern Sie nicht mit schwer zu lesenden Schreibweisen: mit Schrägstrichen, Unterstrichen, Sternchen, Einklammerungen oder dem Binnen-I.
  • Verzichten Sie auf Paarformen wie „Kundinnen und Kunden“, wenn Sie alle drei Zeilen Personenbezeichnungen verwenden (müssen). Oder wenn viele geschlechtsspezifische Pronomen in Ihren Texten auftauchen.
  • Nutzen Sie gängige neutrale Wörter („Zielgruppe“ statt „Kundinnen und Kunden“). Doch gendern Sie nicht auf Biegen und Brechen. Verklausulierte Formulierungen schrecken ab: „angebotsstellende Person“ statt „Anbieter“ oder „Malerarbeiten ausführendes Fachpersonal“ statt „Maler und Lackierer“.
  • Vermeiden Sie irreführende Umschreibungen. Ein Hinweis wie „Mitglied des Vorstands“ statt „Vorstandsvorsitzender“ ist zwar neutral – aber missverständlich: Mitglieder des Vorstands führen nicht zwangsläufig den Vorsitz.

Im Zweifelsfall fahren Sie besser, wenn Sie zu männlichen Begriffen samt Fußnote greifen oder gar nicht gendern.

Ich selbst habe mich in diesem Blog übrigens bewusst gegen geschlechtergerechte Sprache entschieden: weil ich sehr oft Wörter wie „Kunden“ oder „Leser“ einsetze, weil mir neutrale Synonyme wie „Kundschaft“ oder „Leserschaft“ unsympathisch sind – und weil ich nicht ständig männliche und weibliche Formen schreiben möchte.

Geschlechtergerecht, aber leserfreundlich formulieren

Das Gendern würde Ihre Texte viel zu kompliziert machen? Aber Sie wollen trotzdem auf Ihre Leserinnen eingehen? Einige Tricks helfen Ihnen, geschlechtergerechter zu formulieren.

Nutzen Sie Pronomen

Anredepronomen und neutrale Pronomen machen Substantive wie „Kunden“, „Auftraggeber“ oder „Mitarbeiter“ überflüssig. In Ihren Texten tauchen nicht so viele Personenbezeichnungen auf – und wenn Sie nur gelegentlich Personengruppen benennen, können Sie problemlos die weiblichen Formen hinzufügen:

  • Sprechen Sie Ihre Leser per „Sie“ oder per „Du“ an („Sie erhalten bei uns …“ statt „Für unsere Kundinnen und Kunden fertigen wir …“).
  • Schreiben Sie über sich und Ihre Mitarbeiter in der „Wir“-Form oder setzen Sie Namen ein („Wir melden uns“ oder „Frau Müller meldet sich bei Ihnen“ statt „Unsere Kundenberater melden sich“).
  • Weichen Sie auf Wörter wie „wer“, „alle“, „viele“ oder „einige“ aus („Viele, die den Kurs gebucht haben …“ statt „Kunden, die den Kurs gebucht haben …“).

Verwenden Sie neutrale Pluralformen und Kollektivbezeichnungen

Nicht nur neutrale Begriffe („Team“ statt „Mitarbeiter“) helfen Ihnen. Auch bei etlichen Pluralformen ist nicht zu sehen, ob sie sich auf Männer oder Frauen beziehen. Kollektivbezeichnungen sind ebenfalls eine gute Alternative:

  • „unsere Angestellten“ statt „unsere Mitarbeiter“,
  • „Beteiligte“ statt „Teilnehmer“,
  • „unser Unternehmen“ statt „wir als Arbeitgeber“,
  • „Direktion“, „Abteilungsleitung“ und „Sekretariat“ statt „Direktor“, „Abteilungsleiterin“ und „Sekretärin“.

Beachten Sie jedoch: Kollektivbezeichnungen klingen in Verbindung mit Tätigkeitsverben nicht besonders schön. „Das Sekretariat vereinbart einen Termin mit Ihnen“ zum Beispiel: Letztlich vereinbaren, besprechen und telefonieren immer Menschen. Nutzen Sie in solchen Fällen besser Namen („Frau Scholz vereinbart einen Termin mit Ihnen“).

Arbeiten Sie mit Adjektiven oder Verben

Eine weitere Möglichkeit: Setzen Sie Adjektive oder Verben ein. Auch so können Sie männliche Substantive vermeiden:

  • „fachlicher Rat“ oder „fachliche Beratung“ statt „Beratung durch Experten“,
  • „Wir begutachten Ihren Gebrauchtwagen“ statt „Unsere Gutachter nehmen eine Einschätzung vor“.

Auch gelegentliche Passivkonstruktionen sind denkbar: „Sie werden beraten“ statt „Unsere Mitarbeiter beraten Sie“. Doch übertreiben Sie es nicht: Mit allzu viel Passiv klingen Ihre Texte sehr hölzern.

Extratipp zum Schluss

Es gibt viele Wege, geschlechtergerecht(er) zu schreiben. Sie können konsequent gendern oder männliche Bezeichnungen so weit wie möglich reduzieren. Sie können aber auch gänzlich auf geschlechtergerechte Sprache verzichten. Denn das Gendern ist kein Muss. Wenn Sie sich mit männlichen Bezeichnungen wohler fühlen, dann greifen Sie zu männlichen Substantiven und Pronomen. So bleiben Sie authentisch: Auch das ist viel wert.

Das könnte Sie auch interessieren

2 Kommentare

  1. M Yilmaz

    Guten Tag Frau Meinzenbach,

    danke für diesen Artikel, den ich mit Interesse gelesen habe und der mich zu diesem Kommentar angeregt hat.
    Und wie wäre es mit der femininen Form, ich meine generell, das ist ja mehr und schließt die kürzere maskuline Form doch mit ein, so wird nämlich vielerorts auch geschrieben, ist doch auch schön.

    Beste Grüße

    Antworten
    1. Sandra Meinzenbach (Beitrag Autor)

      Hallo,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihren Vorschlag.
      Gerechter wäre die weibliche Form allemal, da die männliche Form sprachlich automatisch eingeschlossen ist. Doch ob sich feminine Schreibungen durchsetzen? Das kann ich mir noch nicht vorstellen.
      Aber unsere Sprache ist kein starres System und hat sich ständig gewandelt. Wenn bestimmte Schreibweisen oft genug verwendet werden, werden sie automatisch stärker akzeptiert. Warten wir also ab, wohin sich die deutsche Sprache und die Möglichkeiten des Genders entwickeln.

      Viele Grüße
      Sandra Meinzenbach

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

error: Content is protected !!