Überflüssige Adjektive: Warum Sie auf „qualitativ hochwertige“ Angebote verzichten können

Überflüssige Adjektive in Werbetexten; Motiv Büro mit Schreibtisch, Macbook, Kissen und Zimmerpalme

© Alesia Kazantceva | unsplash.com

„Bevor Sie ein Adjektiv hinschreiben, kommen Sie zu mir in den dritten Stock und fragen, ob es nötig ist.“ Das riet der Zeitungsverleger Georges Clemenceau seinen Journalisten – und hinterfragen sollten Sie die Adjektive in Ihren Produktbeschreibungen, Leistungsangeboten oder Werbetexten auch. Denn überflüssige Adjektive blähen Ihre Texte unnötig auf. Sie lenken vom Wesentlichen ab und langweilen Ihre Leser mit nichtssagenden Plattitüden.

Sinnvolle und sinnfreie Adjektive

Im Grunde sind Adjektive eine gute Sache. Sie präzisieren und untermalen: Nüchterne Fakten bilden das Grundgerüst Ihrer Texte, Adjektive sorgen für Farbe und Atmosphäre. „Weißer Porzellanteller mit goldenem Rand“ klingt anschaulicher als „Teller aus Meißener Porzellan“. Und „flauschige Wollmütze für kalte Wintertage“ klingt stimmungsvoller als „Wintermütze aus Angorawolle“.

Heikel wird es bei sinnfreien Doppelungen. Sogenannte redundante Adjektive wiederholen, was andere Beiwörter oder nachgestellte Substantive bereits beschreiben. Wo überflüssige Adjektive auftauchen, sind bloße Phrasen nicht weit: Formulierungen wie „qualitativ hochwertige Waren“, „individuelle, maßgeschneiderte Lösungen“ oder „einmalige Einzelstücke“ machen viel Lärm um nichts.

Überflüssige Adjektive

Was qualitativ ist, ist selbstverständlich auch hochwertig. Etwas Maßgeschneidertes ist immer auch individuell. Und Einzelstücke sind deshalb Einzelstücke, weil es keine weiteren Exemplare gibt: Das Adjektiv „einmalig“ voranzustellen, ist absolut unnötig. Überflüssige Adjektive überfrachten Ihre Texte. Prüfen Sie Produktbeschreibungen, Angebote oder Werbebriefe – und zücken Sie den Rotstift: bei Formeln wie

  • kostenlose Geschenke,
  • manuelle Handarbeit,
  • kundenfreundlicher Service,
  • persönliche Beratung,
  • seltene Raritäten,
  • nützliche (oder wertvolle) Vorteile,
  • zeitliche Befristung,
  • fundamentale Grundlagen oder
  • andere Alternativen.

Weniger ist mehr

Vorbildliche Produkt- und Werbetexte kommen mit wenigen Adjektiven aus. Viele Leser haben wenig Zeit. Erfreuen Sie Ihren Adressatenkreis mit prägnanten Botschaften und aussagekräftigen Formulierungen. Zum Beispiel mit Hinweisen auf „handgeschnitztes Holzspielzeug“ statt auf „manuelle Handarbeit“. Und informieren Sie schlicht und einfach über „Vorteile“ oder „Alternativen“ statt über „nützliche Vorteile“ und „andere Alternativen“. Handeln Sie frei nach Georges Clemenceau: Bevor Sie ein Adjektiv hinschreiben, schauen Sie sich das jeweilige Bezugswort an. Und fragen Sie sich, ob das Adjektiv nötig ist.

 

2 Kommentare

  1. ThoR

    „handgeschnitztes Holzwerkzeug“, so so… Wie schnitzt man denn, wenn nicht von Hand?

    Antworten
    1. Sandra Meinzenbach (Beitrag Autor)

      Lieber Herr Rader,

      Holzspielzeug kann ja immer auch industriell gefertigt worden sein. Ein Adjektiv wie „handgeschnitzt“, das auf das jeweilige Herstellungsverfahren verweist, ist durchaus sinnvoll. Das Präfix „hand-“ mag überflüssig sein, doch es gibt dem Leser einen aussagekräftigen Hinweis auf das Besondere des Produkts: Das dürfte im Sinne des Verkäufers sein.

      Viele Grüße
      Sandra Meinzenbach

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