Korrekt angeführt: Wann Sie Anführungszeichen setzen können – und wann Vorsicht geboten ist

Anführungszeichen korrekt setzen: Beitragstitel und Zeitungsartikel mit der Überschrift "Vokalisten lassen Wünsche wahr werden"

© www.insuedthueringen.de | Sandra Meinzenbach

Anführungszeichen sind ausgesprochen vorteilhafte Hilfsmittel. In „Gänsefüßchen“ gesetzte Wörter werden betont oder besonders gekennzeichnet: Etliche Formulierungen sind besser zu verstehen. Doch Anführungszeichen stechen auch heraus. Sie ziehen die Aufmerksamkeit Ihrer Leser auf sich, stören den Lesefluss und können den Sinn eines Satzes komplett verändern. Daher nehme ich mir Zeit für einen Überblick: wann Anführungsstriche eine gute Wahl sind – und wann Sie sich und Ihren Firmentexten keinen Gefallen tun.

Anführungszeichen: Ja, bitte

Wörtliche Rede

Wörtlich wiedergegebene Aussagen oder Gedanken sind in Werbe- und Websitetexten eher eine Ausnahme. Aber vielleicht greifen Sie zu klassischem Storytelling – und erzählen auf Ihrer Website davon, wie Sie Ihre Firma gegründet haben. Oder wie Sie Ihren Kunden begegnen. Wenn Sie direkte Rede nutzen, gehören Anführungszeichen in Ihren Text:

  • Alles begann damit, dass mein bester Freund sagte „In unserer Stadt gibt es kein einziges Restaurant mit offener Küche: mit direktem Kontakt zwischen Gästen und Köchen!“
  • Neulich hatte ich einen besonderen Auftrag. Ein Kunde schrieb mir: „Ich möchte einen alten Rubinring zu einem modernen Anhänger umarbeiten lassen.“

Zitate

Auch Zitate stehen in Anführungszeichen. Zum Beispiel, wenn Sie auf Ihrer Website, in Firmenbroschüren oder sonstigen Unterlagen Motto-Zitate verwenden. Oder wenn Sie in Blogbeiträgen oder Info-Texten zitieren: um Ihre Argumente zu illustrieren oder um sich mit den zitierten Aussagen auseinanderzusetzen.

Wörter und Wortgruppen mit Sonderstellung im Satzbau

Mitunter nehmen einzelne Begriffe oder Wortgruppen eine besondere Stellung im Satzbau ein. Selbst ganze Sätze können sich in einen anderen, eigenständigen Aussagesatz eingliedern. Wenn Sie Anführungszeichen setzen, erleichtern Sie Ihren Lesern das Verständnis: bei Formulierungen wie

  • Der Begriff „Corporate Language“ bezeichnet eine einheitliche, unternehmensspezifische Sprache mit Wiedererkennungswert.
  • Die Stiftung Warentest bewertete unsere Produkte wiederholt mit „Sehr gut“.
  • Die Frage „Sollte jedes Unternehmen bloggen?“ stellt sich oft.

Anführungszeichen: Unter Umständen

Bereits Zitate oder Begriffe mit Sonderstellung im Satzbau können Sie auch kursiv setzen. Heben Sie einzelne Sätze oder Wortgruppen durch spezielle Formatierungen hervor, sollten Sie auf Anführungszeichen verzichten. Die doppelte Betonung durch Anführungsstriche und eine andere Schriftart wirkt schnell aufdringlich. Und nicht nur bei Zitaten, sondern auch in folgenden Fällen haben Sie die Wahl.

Titel: Bücher, Zeitungs- oder Blogartikel, Filme oder Theaterstücke

Titel verdienen eine eindeutige Kennzeichnung: entweder durch Anführungszeichen – oder durch Kapitälchen, Farbe oder kursive Schrift. So entstehen keine Missverständnisse. Ihre Leser erkennen sofort, was zum Titel gehört und was nicht:

Eigennamen

Mit Firmennamen, Hotelnamen oder Produktbezeichnungen verhält es sich ähnlich wie mit Buchtiteln, Blogartikeln oder Theaterstücken. Auch hier helfen Anführungszeichen Ihren Lesern, sich besser zu orientieren. Und auch hier gilt: Kennzeichnen Sie den Namen durch eine andere Schrift oder eine andere Farbe, erübrigen sich die Anführungsstriche.

  • Gäste unseres Kongresses übernachten am besten im „Hotel Metropol“.
  • Die Wochenzeitung DIE ZEIT berichtete über das Potenzial des Mittelstandes für die deutsche Wirtschaft.

Besondere Kennzeichnungen

Anführungsstriche markieren: Fremdwörter, ungebräuchliche Dialektbegriffe oder Formulierungen, die Sie ironisch meinen. Oder Aussagen, von denen Sie sich distanzieren:

  • „Gstaubtes“ – darunter versteht man in Österreich ein Schwarzbrot, dessen Rinde mit Mehl bestäubt wurde.
  • Zu meinen „Lieblingskunden“ gehören Menschen, für die ich erst einmal kostenlose Probetexte schreiben soll.

Wörter oder Wendungen, die ohne Weiteres verstanden werden, kommen hingegen ohne Anführungsstriche aus: Begriffe wie „Dirndl“ und „Wiesn“, „Brainstorming“ oder „à la carte“. Oder Sätze wie in meinem Beitragsbild. „Wünsche wahr werden lassen“ ist zwar nicht wörtlich gemeint, hat sich aber als übertragener Ausdruck fest in unserem Wortschatz behauptet. Anführungszeichen sind nicht nur überflüssig: Sie verändern den Sinn des Satzes „Die Vokalisten lassen Wünsche ‚wahr‘ werden“.

Anführungszeichen: Nein, danke

In meinem Beitragsbild zeigt sich das Störpotenzial von Anführungszeichen. Das Adjektiv „wahr“ klingt, als sei es nicht ernst gemeint: als ginge es um eine ironische Anspielung, die gerade das Gegenteil aussagt – dass die Vokalisten so miserabel gesungen haben, dass keine Wünsche wahr geworden sind. Da Anführungszeichen besonders betonen, ironisieren oder Distanz ausdrücken, lauern sprachliche Fallstricke.

Vorsicht, Sinnveränderung

Wenn Sie Anführungszeichen setzen wollen: Prüfen Sie, ob Anführungsstriche den Sinn Ihrer Aussagen verändern. Und ob Ihre Leser etwas völlig anderes verstehen (könnten). Bei Aussagen wie

  • Unsere Produkte schnitten laut Stiftung Warentest „sehr gut“ ab.
  • Effektives Marketing schafft „Wettbewerbsvorteile“.
  • Bis zum 28. Februar buchen Sie zum „Vorzugspreis“.

Vorsicht, Überbetonung

Prüfen Sie ebenfalls, ob besondere Betonungen durch Anführungszeichen wirklich nötig sind – und trauen Sie Ihren Lesern ruhig zu, Metaphern, Wortspiele und übertragene Bedeutungen zu verstehen:

  • Metaphern in Sätzen wie „Die Rentenpolitik bleibt ein heißes Eisen“ oder „Die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen brachten den Stein ins Rollen“,
  • bildhafte Vergleiche wie „Unsere Software bietet Ihnen ein echtes Sicherheitsnetz“,
  • inoffizielle, aber gängige Bezeichnungen wie „die Ewige Stadt“, „die Dritte Welt“ oder „der Nahe Osten“.

Extratipps zum Schluss

Setzen Sie Anführungszeichen stets dosiert und aus guten Gründen ein. Und entscheiden Sie sich bei Ihrem Firmennamen und Produktbezeichnungen, bei sonstigen Titeln oder bei Zitaten für eine einheitliche Schreibweise. Nutzen Sie auf Ihrer Website, auf Flyern, in Anzeigen und an allen anderen Stellen Anführungsstriche oder kursive Schrift oder Farbe oder Großbuchstaben: So gelingt Ihnen ein einheitlicher Unternehmensauftritt.

Das könnte Sie auch interessieren

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

error: Content is protected !!