Über das Potenzial bewegter Bilder und den Mut zum Nonkonformen: Was Videomarketing Ihrem Unternehmen bringt. Ein Interview mit Christopher Siebenhüner

Videomarketing für Unternehmen: Filmset Foyer mit Glasfassade und jungem Mann auf Skateboard

© Christopher Siebenhüner │ GECKO.1

Eigentlich gibt es in diesem Blog Tipps für vorteilhafte Werbetexte und leserfreundliche Formulierungen. Es gibt aber auch Tipps fürs Marketing – und hier bieten Unternehmensvideos viel Potenzial. Warum Videos perfekt für Ihr Onlinemarketing sind und was gute Filme auszeichnet: Das erklärt Christopher Siebenhüner, Inhaber und Geschäftsführer der Videomarketing-Agentur GECKO.1.

 

Was bringen Filme: zum Beispiel auf der Firmenwebsite oder auf Social Media? Was kann ein Unternehmensvideo, was Werbetexte nicht können?

Man kann mit keinem anderen Medium Emotionen so gut thematisieren wie mit bewegten Bildern: weil visuelle und auditive Eindrücke so miteinander kombiniert werden, dass ich die Menschen wirklich abholen kann.

Zudem leben wir in einer Welt, die von Informationen überflutet ist – und in der Kunden sich häufig nicht mehr die Zeit nehmen und dem Unternehmen Zeit geben, sich ordentlich zu präsentieren. Deshalb müssen Sie versuchen, möglichst effizient Informationen zu kommunizieren. Sie müssen es schaffen, innerhalb möglichst kurzer Zeit möglichst überzeugend zu sein.

Gerade im Netz ist unsere Aufmerksamkeit begrenzt. Man hat nur wenige Sekunden Zeit, um die Besucher der eigenen Website zu fesseln.

Ganz häufig ist es so, dass der Besucher der Seite über die Startseite gar nicht mehr hinauskommt. Er verschafft sich einen ersten Überblick, er klickt vielleicht einmal irgendwohin und das war’s. Da hat ein Unternehmen gar keine Zeit, Informationen zu transportieren.

Das geht besser und schneller mit Film – auch, weil Menschen einfach gerne berieselt werden. Dafür ist Film da: um konzentriert eine Stimmung zu der Sache zu setzen, über die sich der Seitenbesucher informieren möchte. Man kann zwar Unternehmenstexte schreiben und Bilder dazu machen. Aber es geht immer ein Stück tiefer, wenn man es sieht und partiell miterlebt.

Dadurch haben Unternehmen die Möglichkeit, Persönlichkeit einzubringen …

… und Authentizität. Es macht unheimlich viel aus, ob ich schon ein „Behind the Scenes“ bekommen habe. Als wir angefangen haben, Filme zu produzieren, haben wir zu jedem Film ein Making-of gemacht. Unsere Making-ofs haben mehr verkauft als die Imagevideos mit uns selbst.

Unsere Kunden hatten das Gefühl, sie waren schon mal dabei: Sie haben mich am Set gesehen, sie haben meine Mitarbeiter schon mal gesehen. Man baut eine gewisse persönliche Beziehung auf, wenn man einen Menschen sprechen sieht und seinen Habitus mitbekommt.

In dieser „Beziehungsarbeit“ liegt das große Potenzial von Unternehmensvideos?

Ich denke, Video wird zukünftig viel mehr zum Dialog mit Kunden beitragen. Dialog meine ich tatsächlich als dauerhaften Dialog.

Die größte Herausforderung, die ein Unternehmen hat, ist die One-to-many-Kommunikation. Dadurch, dass der Produktionsaufwand für Filme enorm gesunken ist, habe ich die Möglichkeit, visuell zu reagieren. Nehmen wir an, ich kriege ein Feedback zu einem Film, den wir gemacht haben – in Form eines Kommentars auf Instagram und ich antworte dieser einen Person: „Hey, Lisa (zum Beispiel). Schön, dass du dich dafür interessierst, wie wir das gemacht haben. Ich erklär dir das mal kurz.“

Ich antworte einem Menschen, suggeriere aber trotzdem eine Eins-zu-eins-Kommunikation. Das schafft Nähe: Jeder kann sich vorstellen, wie es ist, wenn er angesprochen wird.

Welches Potenzial haben Videos noch?

Filme werden zu einem höheren Maß an Transparenz und Servicequalität beitragen. Bisher wurden Filme stark zur Vermarktung von Dingen eingesetzt. Aber es ist ein zweiter großer Bereich, unter anderem, durch YouTube entstanden: die Präsentation von Content.

Unternehmen haben jetzt auch die Möglichkeit, Dinge zu erklären: Wie funktioniert unser Produkt? Oder wie tauscht man ein bestimmtes Element in einer Maschine aus? Man kann ganze User-Manuals und Tutorials bauen. Wo man früher ein Handbuch rausgeben musste, kann man jetzt ein Video und sogar einen 3D-Film machen.

Was zeichnet ein gutes Unternehmensvideo aus?

Es gibt einen technischen, einen inhaltlichen und einen kreativen Hintergrund.

Was das Technische angeht: Ich muss mir Gedanken machen, auf welcher Plattform ich einen Film ausstrahle. Oft denken Unternehmen: Wir produzieren einen Film und den veröffentlichen wir bei Instagram, bei Facebook und dann auch noch bei LinkedIn.

Instagram zum Beispiel ist um ein Vielfaches visueller. Daher muss ich von einer ganz anderen Bildsprache ausgehen und anders produzieren als für Facebook. Dazu kommt, dass Instagram der Haupttrigger für Hochformat-Videos war. Filme im Hochformat müssen anders gedacht werden als klassische Formate. Ich muss mir vorher überlegen: Wo soll die Story hin, was kommuniziere ich inhaltlich, was muss ich technisch tun, damit es gut wird und den Mechanismen der Plattform entspricht.

Das ist beim Texten ähnlich. Ein Websitetext braucht einen ganz anderen Stil als eine Pressemitteilung oder ein Social-Media-Posting. Was ich als Post auf Social Media schreibe, kann ich fast nie als Websitetext verwenden. Aber das machen die Leute beim Film. Im Grunde schreiben sie einen Websitetext und veröffentlichen ihn als Social-Media-Post. Das ist Quatsch.

Was ist auf der inhaltlichen Ebene zu beachten?

Man sollte nie den Fehler machen, die Lebenszeit seiner Kunden zu verschwenden. Mir muss klar sein: Wenn ein Kunde auf meiner Website meine 1:42 Minuten über mein Unternehmen anguckt, schenkt er mir 1:42 seiner Lebenszeit. Damit sollte ich sorgsam umgehen.

Wenn ich einen Kunden dazu bringe, meinen Film anzuschauen, muss er einen Mehrwert daraus ziehen. Ich muss mir Gedanken machen: Warum ist er auf meiner Website? Was für ein Gefühl möchte ich ihm geben und auf welches Gefühl wird er anspringen? Was interessiert ihn, wenn er mein Video zu sehen bekommt? Das muss ich ihm sagen. Nicht aus meiner intrinsischen Perspektive: was ich als Unternehmer gerne über mein Unternehmen erzählen will.

Und was gilt fürs Kreative?

Wir werden überflutet von Filmen und Einheitsbrei bringt gar nichts. Das Entscheidende beim Videomarketing ist, dass man sich was traut.

Der größte Fehler ist, einfach immer auf Sicherheit zu fahren. Dann erreiche ich zwar meine paar Zuschauer. Aber ich werde keinen echten Impact generieren. Um Wirkung zu erreichen, muss ich mutig sein. Ich muss mich mal aus dem Fenster lehnen. Ich muss einfach mal die Energie und Kraft haben und sagen: Wir machen das jetzt fünf, sechs, sieben Mal – und vielleicht greift’s beim achten Mal. Aber wir ziehen das jetzt durch. Das kann im Video-Segment erfolgreich sein.

Das heißt auch: Filme brauchen mitunter Ecken und Kanten?

Wer mit uns arbeitet, sucht sicherlich auch manchmal Ecken und Kanten, weil das unsere Grundeinstellung ist. Wir schlagen fast nie den klassischen Weg ein. Aber bei der linearen Fernsehwerbung brauchen Sie klassische lineare Fernsehspots. Und wenn ich eine Ad (zielgruppengerechte Werbung) in ein Umfeld integriere, das glänzt, muss die Werbung auch glänzen.

Wenn Sie fast nie den klassischen Weg einschlagen: Wie gehen Sie an die Filmproduktion heran?

Wir produzieren keinen Film des Films wegen. Oft steht die Ästhetik des Films über dem Nutzen. Bei uns steht der Nutzen über der Ästhetik. Natürlich versuchen wir auch, schöne Filme zu produzieren. Nur ist es manchmal eben auch der richtige Weg, einen Film nicht glänzen zu lassen.

Und manchmal ist es auch der effizientere Weg, zwei Mann zum Dreh zu schicken und nicht acht Mann und einen LKW voll Licht. Unterm Strich ist der Film ein Marketing- und Werbeprodukt. Der Kunde gibt Geld aus und er muss am Ende damit mehr verdienen, als er ausgegeben hat.

Stichwort „Geld“: Mit welchen Kosten muss man rechnen? Gehen Filme auch mit kleinerem Budget?

Nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt. Aber man kann Filme schon für 1.000 oder 2.000 Euro produzieren. Man braucht nicht mit dem Preis eines Kleinwagens zu kalkulieren.

Zurück zu Ihrem Ansatz, dass der Nutzen eines Films über der Ästhetik steht …

Für uns heißt es nicht: Wir machen den schönsten Film der Welt – und dann schauen wir mal, wo wir ihn ausstrahlen. Wir versuchen immer, aus Perspektive unserer Kunden zu denken. Wir sagen: Wir kennen den Kunden, wir kennen seine Produkte, seine Bedürfnisse und seine Zielgruppe. Und wir überlegen: Was müssen wir tun, dass die Zielgruppe auf sein Produkt anspringt? Wie machen wir den Film so, dass er seinen Zweck erfüllt?

Wenn Sie Ihre Herangehensweise kurz und knapp zusammenfassen müssten: Was würden Sie sagen?

Wir folgen dem Prinzip: Wer nicht anfängt, kann nicht ankommen. Und wir folgen dem Prinzip: Manchmal lieber um Verzeihung bitten als um Erlaubnis fragen. Einfach, um vorwärtszukommen. Da verfolgen wir manchmal auch einen provokanteren Ansatz. Aber unterm Strich: Filme folgen immer einem Kommunikationsziel. Der Film ist bei uns nie Selbstzweck.

 

Foto Christopher Siebenhüner

 

Christopher Siebenhüner studierte Medien- und Kommunikationswissenschaft. Seine 2009 gegründete Agentur Gecko One GmbH: Filmproduktion & Videomarketing (mit Sitz in Leipzig und Erfurt) bietet Unternehmen Filme, Kommunikationskonzepte und Marketing aus einer Hand. Er und sein Team beraten in der Gecko Two GmbH zudem Start-ups und Mittelständler rund um Geschäftsidee und Geschäftsentwicklung.

 

 

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