Verständliche Texte, optimale Satzlänge: Wann ist ein Satz zu lang – und wann zu kurz?

Optimale Satzlänge: Viele aus Büchern herausgerissene Buchseiten, die die gesamte Bildfläche bedecken

© Reagan Freeman │ unsplash.com

Sie wollen spannende und verständliche Texte schreiben, Ihre Leserinnen und Leser aber auf keinen Fall langweilen? Dann brauchen Sie abwechslungsreiche Formulierungen – und Abwechslung hängt auch davon ab, ob Sie kurze, lange oder viel zu lange Sätze schreiben. Wie es mit der optimalen Satzlänge für Websitetexte, Newsletter oder Werbebriefe aussieht und ob kurze Sätze immer vorteilhaft sind: Das zeige ich Ihnen in meinen Tipps rund um die perfekte Länge Ihrer Sätze.

Warum ist es überhaupt wichtig, wie lang Ihre Sätze sind?

Wenn Sie lange Sätze schreiben und kompliziert formulieren, strengt das Lesen an. Wer Ihre Website besucht und über Sätze mit vier oder fünf Kommas stolpert, wird hängen bleiben. Und wer Ihren neuen Werbebrief mit etlichen Sätzen über drei, vier Zeilen liest, verliert irgendwann die Konzentration. Ihre Leser brauchen viel mehr Aufmerksamkeit, um zu verstehen, was Sie sagen wollen.

Daher lauten klassische Empfehlungen gerade für Websitetexte: für die optimale Satzlänge maximal 12, 14 oder 15 Wörter nutzen. Denn im Netz lesen wir anders als auf Papier: Wir sind ungeduldiger, weniger sorgfältig – und wir lesen Websitetexte nicht, sondern wir scannen sie. Deshalb brauchen Sie für Ihren Onlineauftritt kürzere und einfachere Sätze als für Ihre analoge Firmenbroschüre.

Wie lang und wie komplex Ihre Sätze sein sollten, hängt davon ab, wo Sie Ihren Text veröffentlichen. Und natürlich auch von Ihren Leserinnen und Lesern: damit Sie

  • Ihre Botschaften verständlich weitergeben und Ihre Informationen ankommen,
  • alle Leser erreichen und niemand mitten im Text abspringt,
  • Ihrer Zielgruppe gerecht werden: Wer eher geringe Deutschkenntnisse besitzt, braucht einfache Formulierungen und kürzere Sätze. Und wer sich nicht im Thema auskennt, braucht Erläuterungen – Experten mit Wissen um Fachbegriffe dagegen nicht.

Vieles spricht für kürzere Sätze. Aber ständig kurze und sehr kurze Sätze zu schreiben, bringt ebenfalls Nachteile: weil allzu knappe Informationen

  • sehr abgehackt wirken und ebenso ermüden wie allzu lange Sätze,
  • zu sehr langweiligen Texten führen,
  • nicht nur eintönig sind: Auch die Aufmerksamkeit Ihrer Leser und ihre Konzentration auf Ihre Inhalte gehen verloren.

Die optimale Satzlänge: Meine Tipps für Sie

Interessante und facettenreiche Texte gelingen Ihnen, wenn Sie kürzere und längere Sätze mischen. Abwechslung erhöht die Aufmerksamkeit Ihrer Leserinnen und Leser. Darüber hinaus helfen Ihnen folgende Empfehlungen:

1. Zu lange Sätze?

Überprüfen Sie, ob einzelne (oder viele) Ihrer Sätze zu lang sind. Um die optimale Satzlänge zu finden, brauchen Sie nicht die enthaltenen Wörter zu zählen. Lesen Sie sich Ihren Text laut vor: Sätze, die Sie nicht in einem Atemzug herunterlesen können, sollten Sie verkürzen.

2. Ein Argument pro Satz

Konzentrieren Sie sich auf ein Argument pro Satz. Falls Sie zwei, drei oder vier Argumente anbringen wollen, beginnen Sie idealerweise jeweils einen neuen Satz.

Ausnahme: Sie zählen mehrere Argumente einfach nur auf und verzichten auf nähere Erläuterungen. Tipps rund um Aufzählungen gibt’s im nächsten Abschnitt.

3. Aufzählungen

Lassen Sie endlos lange Aufzählungen außen vor. Geht’s um sehr viele Aufzählungsglieder, greifen Sie am besten zu Stichpunkten: Stichpunkte sind übersichtlicher und lassen sich leichter lesen. Wollen Sie dagegen zu umfangreicheren Aufzählungen in einem Fließtext greifen, dann teilen Sie sie in mehrere Sätze auf – gerne auch in unvollständige, verkürzte Sätze (sogenannte Ellipsen):

  • „In unserem Café bekommen Sie nicht nur Filterkaffee oder Cappuccino. Sondern auch Espresso, Cortado und Mokka. Wiener Melange und Latte macchiato. Und natürlich verschiedene Kräuter- und Früchtetees, Grünen Tee und Schwarztee.“

Das klingt allemal besser, als alle diese elf Kaffee- und Teesorten in einem einzigen Satz zusammenzufassen.

Praxistipp: Am besten, Sie schieben Aufzählungen ans Satzende. Machen Sie erst einmal deutlich, worauf sich Ihre Aufzählung überhaupt bezieht: So haben es Ihre Leserinnen und Leser leichter.

4. Doppelbedeutungen?

Sinngleiche oder sinnähnliche Ausdrücke heißen eigentlich Pleonasmen. Beispielsweise, wenn Adjektive die folgenden Substantive näher beschreiben und nichts Neues aussagen: weil die Substantive diese Beschreibungen bereits enthalten. Oder Zusammensetzungen, bei denen einer der Bestandteile vollauf ausreicht: bei

  • viereckiges Quadrat“,
  • nützlicher Vorteil“,
  • seltene Rarität“,
  • Neurenovierung“,
  • Zukunftsprognose“ oder
  • auseinanderdividieren“.

Verzichten Sie auf unnötige Doppelungen. Je ausdrucksstärker Ihre Substantive, desto weniger Adjektive brauchen Sie: Wenn Sie viele Doppelbedeutungen kürzen können, formulieren Sie übersichtlicher.

5. Verschachtelungen?

Es geht nicht allein um die optimale Satzlänge. Wie bereits angedeutet, können auch zu komplizierte Formulierungen überfordern. Vermeiden Sie daher Verschachtelungen: Reduzieren Sie notwendige Kommas und gliedern Sie Ihre Sätze vorteilhaft. Auch wenn Ihre Sätze nicht unbedingt kürzer werden: Sie schreiben leserfreundlicher.

5.1. Einschübe (und Kommas!) vermeiden

Verschachtelte Sätze können Sie auflösen, indem Sie Einschübe oder eingeschobene Nebensätze vermeiden. Ihre Formulierungen wirken einfacher und klarer:

  • „Wir übernehmen Ihre Steuerplanung, Ihre Steuerklärung und auf Wunsch Ihre Finanz- und Lohnbuchhaltung“ (statt „Wir übernehmen Ihre Steuerplanung, Ihre Steuerklärung und, sofern Sie es wünschen, Ihre Finanz- und Lohnbuchhaltung“).

5.2. Einschübe möglichst ans Satzende

Eine weitere Möglichkeit, um Schachtelsätzen vorzubeugen: Platzieren Sie Einschübe am Satzende – und trennen Sie einzelne Wörter nicht durch ein Komma ab:

  • „Für weiterführende Tipps kann ich Ihnen ‚Texten können‘ empfehlen, Daniela Rorigs 2019 erschienenes Handbuch für Marketer, Texter und Redakteure“ (statt „Für weiterführende Tipps kann ich Ihnen ‚Texten können‘, Daniela Rorigs 2019 erschienenes Handbuch für Marketer, Texter und Redakteure, empfehlen“).

5.3. Verschachtelte Nebensätze

Auch Nebensätze können Einschübe enthalten. Wenn Sie sie auflösen, sparen Sie zwei Kommas:

  • „Wir glauben, dass sich relevante Parameter nur teilweise erheben lassen: sofern dies überhaupt möglich ist“ (statt „Wir glauben, dass sich relevante Parameter, falls überhaupt möglich, nur teilweise erheben lassen“).

Auch bei Nebensätzen verschiedenen Grades müssen Sie Kommas einfügen. Durch alternative Formulierungen – beispielsweise, indem Sie überflüssige Hinweise streichen – verkürzen Sie Ihre Nebensätze:

  • „Da Sie Neukunde sind, ist eine Buchung nur gegen Vorkasse möglich“ (statt „Eine Buchung ist nur gegen Vorkasse möglich, da Sie Neukunde sind, sodass wir auf Zahlung vorab bestehen“).

6. Doppelpunkte, Gedankenstriche, Klammern

Vielleicht haben Sie es gerade bemerkt: Doppelpunkte helfen Ihnen, längere und komplexere Sätze aufzulockern. Auch mit Gedankenstrichen und Einklammerungen bieten Sie Ihren Lesern Ruhepunkte. Sie lassen Lesepausen zu und formulieren übersichtlicher:

  • „Im Rhetorik-Coaching erhalten Sie wichtige Grundlagen: um Ihre Rede optimal aufzubauen, überzeugend zu sprechen und Ihre Körpersprache gezielt einzusetzen (statt „Im Rhetorik-Coaching erhalten Sie wichtige Grundlagen, um Ihre Rede optimal aufzubauen, überzeugend zu sprechen und Ihre Körpersprache gezielt einzusetzen“),
  • „Sie erreichen uns wochentags zwischen 9:00 und 18:00 Uhr – aber Sie können auch einen Termin außerhalb unserer Bürozeiten vereinbaren“ (statt „Sie erreichen uns wochentags zwischen 9:00 und 18:00 Uhr, aber Sie können auch einen Termin außerhalb unserer Bürozeiten vereinbaren“),
  • „Wir bringen Ihre Fußböden auf Vordermann und haben uns auf kunstvolle Parkettböden (auf sogenannte Intarsienparkette) spezialisiert“ (statt „Wir bringen Ihre Fußböden auf Vordermann und haben uns auf kunstvolle Parkettböden, auf sogenannte Intarsienparkette, spezialisiert“).

Extratipp zum Schluss

Verständliche und lebendige Texte schreiben: Das hängt natürlich nicht nur von der optimalen Satzlänge ab, sondern auch von Ihre Textstruktur und Ihrem Layout. Wenn es inhaltlich passt, dann nutzen Sie

  • Zwischenüberschriften,
  • Stichpunktlisten,
  • Fotos oder Grafiken,
  • Störer und
  • bei Websitetexten Buttons.

Dann formulieren Sie interessant, spannend und sichern sich die Aufmerksamkeit Ihrer Leserinnen und Leser. Viel Erfolg beim Texten!

Das könnte Sie auch interessieren

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.