Strategien für die Über-uns-Seite: Storytelling

Storytelling auf der Über-uns-Seite: Mann mit Kamera

© Med Ahabchane | pixabay.com

Wir lieben Geschichten. Deshalb lesen wir Romane. Deshalb schauen wir uns Kinofilme an. Und deshalb ist das sogenannte Storytelling so gut fürs Marketing. Die Über-uns-Seite (falls Sie Einzelunternehmer sind: Ihre Über-mich-Seite) eignet sich hervorragend, um Ihre Leser mit spannenden Plots zu ködern. Wie Ihnen das gelingt? Ich habe Tipps und Anregungen für Sie zusammengefasst: Ihre Über-uns-Seite soll ja kein Schattendasein als C-Movie fristen, sondern ein Erfolgsfilm werden.

Geschichten für Ihre Über-uns-Seite

Auf Ihrer Startseite geht es um den schnellen Überblick. Auch die Besucher Ihre Leistungsseite(n) wünschen sich in der Regel übersichtliche Informationen. Doch auf Ihrer Über-uns-Seite bleibt Ihnen Raum für Storytelling. Wer die Rubrik „Über uns“ anklickt, will mehr über Sie und Ihre Firma erfahren: Erzählen Sie von den Menschen, die für Sie arbeiten – oder rücken Sie Ihr Unternehmen in den Mittelpunkt.

1. Das Biopic: Ihre Biografie

Wenn Sie als Einzelunternehmer arbeiten, ist das Biopic eine ausgezeichnete Wahl. Hier dreht sich alles um Ihren Werdegang. Idealerweise greifen Sie eine wichtige Szene oder einige spannende Episoden heraus:

  • Was hat Sie dahin geführt, wo Sie heute stehen?
  • Haben Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht? Oder hatten Sie als Kind vielleicht ganz andere Interessen?
  • Gab es einen bestimmten Moment, in dem Sie wussten: Das möchte ich tun, genau dieses Unternehmen möchte ich gründen?
  • Was ist Ihnen wichtig? Welche Werte und Überzeugungen bringen Sie in Ihre Arbeit ein?

2. Die „Coming of Age“-Story: Ihre Gründungsgeschichte

Bei der „Coming of Age“-Story blicken Sie auf die Gründungsphase Ihrer Firma – und darauf, wie Ihr Unternehmen erwachsen geworden ist. Möglich sind unterschiedliche Schwerpunkte:

  • Wann und warum haben Sie gegründet? Wie hat alles begonnen?
  • Welcher Initialzündung verdanken Sie Ihre Geschäftsidee?
  • Worauf haben Sie sich spezialisiert? Warum haben Sie sich für bestimmte Angebote entschieden?
  • Wie haben Sie die Anfangsjahre gemeistert?

3. Das Roadmovie: Die Reise Ihres Unternehmens

Wenn Ihre Firma schon einige Jahre besteht, dann schlagen Sie einen Bogen von der Gründung zur Gegenwart. Beschreiben Sie die Reise Ihres Unternehmens: am besten anhand einiger Schlüsselszenen. Orientieren Sie sich an folgenden Fragen:

  • Wie hat alles begonnen und wie hat sich Ihre Firma entwickelt?
  • Welche Herausforderungen mussten Sie meistern?
  • Gab es positive Überraschungen?
  • Was hat sich verändert? Hat sich Ihr Unternehmen vergrößert? Haben Sie Ihre Angebote ausgebaut? Oder haben Sie sich im Verlauf der Zeit auf Nischenprodukte konzentriert?
  • Was bieten Sie Ihren Kunden? Wie helfen Sie Ihren Kunden weiter?

4. Der Abenteuerfilm: Brüche und Veränderungen

Der besondere Moment, ein Umbruch, Ihr persönlicher Twist: Erzählen Sie eine Geschichte mit überraschenden Wendungen. Ein Genre-Mix ist ausdrücklich erwünscht. Verbinden Sie den Abenteuerfilm mit Ihrem Biopic oder Ihrem Roadmovie:

  • Wollten Sie noch einmal etwas vollkommen Neues beginnen?
  • Haben Sie sich bewusst umorientiert?
  • Gab es Neuerungen in Ihrem Unternehmen, mit denen Sie auf veränderte Marktsituationen reagiert haben?
  • Haben sich Ihre Überzeugungen und Werte gewandelt – und hat sich dieses neue Selbstverständnis auf Ihre Angebote ausgewirkt?

5. Das Doku-Drama: Die Geschichte Ihres wichtigsten Produkts

Vielleicht begann der Erfolg Ihres Unternehmens mit einem bestimmten Produkt und dieses Produkt ist ein Kassenschlager geblieben. Oder Ihr wichtigster Artikel ist zum Prototyp für alle weiteren Angebote geworden. Dann zeigen Sie Ihren Lesern, wie es dazu gekommen ist:

  • Wann und wo ist das Herzstück Ihrer Warenpalette entstanden?
  • Gibt es eine witzige Anekdote zu erzählen oder von besonderen Umständen zu berichten?
  • Wie haben sich Ihr Produkt und Ihr Gesamtangebot weiterentwickelt?

Gute Storys, schlechte Storys: Das Drehbuch für Ihre Über-uns-Seite

Es gibt diese Geschichten, die nach dem Prinzip „Guter Bulle, böser Bulle“ gestrickt sind. Hier ist sofort klar, welche Figur in welche Kategorie gehört und welche Konflikte entstehen. Und es gibt Geschichten, deren Helden gar nicht so leicht zu durchschauen sind – und die mit Brüchen oder einem überraschenden Finale punkten.

Auch Storytelling auf Ihrer Über-uns-Seite braucht einen (oder mehrere) Helden und eine klare Dramaturgie: eine Ausgangssituation, ein Problem und eine Lösung. Und auch Sie sollten Spannung aufbauen. Das gelingt Ihnen mit folgenden Mitteln:

1. Das klassische Drama

Bieten Sie Ihren Lesern ein klassisches Drama in fünf Akten. Im Theater und idealerweise auch auf Ihrer Über-uns-Seite folgen diese Akte einer klaren Struktur.

  • Zu Anfang werden die Hauptfiguren und die Grundlagen des späteren Konflikts vorgestellt (Exposition): Vielleicht haben Sie Ihr Geschäft gerade eröffnet und vielleicht fehlt Ihnen noch eine persönliche Note.
  • Fallstricke und Probleme bündeln sich, die Lage spitzt sich zu (Handlungssteigerung): Dass Ihrem Geschäft Persönlichkeit fehlt, stört Sie immer mehr.
  • Der Konflikt erreicht seinen Höhepunkt, der Held muss handeln (Klimax): Auch Sie handeln. Sie wollen sich spezialisieren – und passen Ihre Angebote an.
  • Die Spannung löst sich, lebt durch ein unerwartetes Ereignis oder eine Verzögerung aber noch einmal auf (Handlungsabfall samt retardierendem Moment): Einige Ihrer Kunden begrüßen die neue Ausrichtung Ihres Geschäfts, andere Kunden sind verwirrt. Und Sie fragen sich, ob Sie Ihre neue Produktpalette gut genug vermarkten.
  • Theatertragödien enden in einer Katastrophe, in Komödien und bei Ihnen wendet sich die Geschichte zum Guten (Auflösung): Sie passen Ihr Marketing und Ihre Kommunikation an. Dass Sie sich zum Fachgeschäft gemausert haben, spricht sich herum.

2. Der Twist: Unverhoffte Wendungen

„Das haben wir von Anfang an so gemacht“, „Das war schon immer mein Ziel“: Solche Geschichten sind vorhersehbar und langweilig. Ihr Drehbuch braucht eine unerwartete Wendung, im Filmjargon: einen Twist. Nicht unbedingt einen klaren Bruch in Ihrem Werdegang und auch keine Radikalveränderung – aber etwas Überraschendes sollten Sie einbauen:

  • Vielleicht haben Sie neue Prioritäten gesetzt („Vegetarisch zu kochen hat mich nie gereizt. Bis zu diesem Urlaubstag in Haifa …“).
  • Vielleicht hatten Sie ein Schlüsselerlebnis („Eigentlich wollte ich Fotografin werden. Aber dann …“).
  • Oder Sie tun etwas, was nicht zu erwarten war („Ich war eine echte Null in Englisch. Keine guten Voraussetzungen für …“).

3. Flashbacks und Flashforwards: Zeitsprünge

Was im Film „Flashback“ und „Flashforward“ heißt, peppt auch das Storytelling auf. Erzählen Sie in Rückblenden, blicken Sie auf Zukünftiges, springen Sie zwischen den Zeitebenen. Das ist abwechslungsreicher, als geradlinig vom Anfang bis zum Ende zu erzählen: mit Formulierungen wie

  • „Wir beraten mittelständische Unternehmen rund um Social Media. Begonnen hat alles im Herbst 2011. Damals …“,
  • „1984 begann der heutige Seniorchef, Whisky zu brennen. Die Whisky-Herstellung ist bis heute ein Schwerpunkt geblieben. Doch noch in den Neunzigerjahren …“.

4. Spoilern: Lösungen vorwegnehmen

Auch das ist eine Möglichkeit: Nehmen Sie Details oder finale Lösungen vorweg. Hier konzentrieren sich Ihre Leser nicht auf den Ausgang Ihrer Geschichte, sondern auf das „Wie“. Auch das ist spannend: sofern Sie mit plötzlichen Hindernissen oder aufregenden Situationen überraschen. Beim Spoilern helfen Ihnen Formulierungen wie

  • „2014 fehlte uns ein Alleinstellungsmerkmal. Aber 2019 wurden wir für den Unternehmerpreis des Jahres nominiert …“,
  • „Wir begannen mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme und hatten schon konkrete Ideen entwickelt. Doch dann bot dieses neue Start-up ähnliche Produkte an: ein herber Rückschlag …“.

Storytelling-Tipp zum Schluss

Scheuen Sie beim Storytelling nicht davor zurück, über problematische Situationen zu schreiben. Denn das heißt nicht, dass Sie Geschäftsgeheimnisse preisgeben sollen. Oder dass Sie sich lächerlich machen. Im Gegenteil: Eine fortwährende Erfolgsgeschichte klingt langweilig, vor allem aber unglaubwürdig. Doch wenn Sie zu Herausforderungen und gewissen Schwächen stehen, geben Sie sich menschlich. Und Sie punkten mit Ehrlichkeit: Das kommt an.

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2 Kommentare

  1. Debora Gwerder

    Hallo Sandra
    Ich finde deinen Blog toll!
    Vielen Dank für wertvolle Hinweise und Informationen.
    Meine eigene Firma ist noch ganz “frisch”. Deine Tipps werden mir helfen, die “Über mich”-Rubrik etwas zu überarbeiten.
    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Debora von editext.ch

    Antworten
    1. Sandra Meinzenbach (Beitrag Autor)

      Hallo Debora,

      vielen Dank für dein Feedback: Ich wünsche dir viel Erfolg mit deiner neuen Über-mich-Seite.

      Viele Grüße
      Sandra Meinzenbach

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