Ziffern oder Zahlen schreiben: Entscheidungshilfe(n) für Ihre Werbetexte

Ziffern oder Zahlen schreiben: Sprint-Startbahn mit den Ziffern 1 bis 12

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Zahlwörter oder Ziffern? Ob Sie Ziffern oder Zahlen schreiben sollten, hängt von unterschiedlichsten Dingen ab: wie viele Zahlen in Ihrem Text auftauchen, ob Sie im Rahmen Ihrer Corporate Language auf Ziffern setzen – oder ob Sie zugunsten größerer Übersichtlichkeit Ziffern wählen.

Ziffern oder Zahlen schreiben? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Aber ich gebe Ihnen Entscheidungshilfen mit: So können Sie abwägen, ob ausgeschriebene Zahlen oder Ziffern die richtige Wahl sind.

Zahlwörter oder Ziffern: Grundsatz-Empfehlungen

Früher gab es diese Buchdruckerregel, die besagte: Die Zahlen von 1 bis 12 schreibt man in Buchstaben und für Zahlen ab 13 nutzt man Ziffern. Doch dieser Grundsatz ist längst nicht mehr verbindlich. Inzwischen gibt es andere Empfehlungen und Tendenzen:

1. Zahlwörter in der Belletristik

Weil Ziffern sofort auffallen, bevorzugt man in belletristischen Texten Zahlwörter. Ausgeschriebene Worte wirken beschreibender und angenehmer, Buchstaben „stören“ den Lesefluss nicht. Zumindest dann, wenn es sich um überschaubare Zahlen handelt: Im Falle von „achtundsiebzigtausendfünfhundertsechsunddreißig“ empfiehlt sich „78.536“ – auch in Romanen oder Kurzgeschichten.

2. Ziffern in Unternehmenstexten, Sachbüchern oder Fachpublikationen

In Unternehmenstexten, in Sachbüchern oder in wissenschaftlichen Publikationen tendiert man zu Ziffern. Denn Ziffern sind konkret und weitaus übersichtlicher als Zahlwörter. Sie fallen Ihren Leserinnen und Lesern sofort ins Auge: In Ziffern angegebene Zahlen sind aussagekräftiger.

3. Statistiken, Tabellen, Grafiken: Ziffern statt Zahlen

Auch in Statistiken, Tabellen und Grafiken, auf Lieferscheinen, in Angeboten und Rechnungen greift man zu Ziffern: durchgängig und auch bei Zahlen von 1 bis 12. Auch hier geht es um Übersichtlichkeit und in aller Regel um sehr viele Zahlen: Aus beiden Gründen sollten Sie Ziffern statt Zahlen schreiben.

Ziffern oder Zahlen schreiben: Entscheidungshilfen

Ob Sie Ziffern oder Zahlen schreiben, hängt von mehreren Kriterien ab. Orientieren Sie sich an folgenden Fragen und Leitlinien – vor allem dann, wenn Sie sich noch nicht auf eine verbindliche Sprache für Ihr Unternehmen festgelegt haben:

1. Viele Zahlen?

Wie viele Zahlen kommen in Ihren Unternehmenstexten vor? Wenn Sie ständig Zahlen erwähnen (müssen), fahren Sie mit Ziffern besser: namentlich, wenn es sich um größere Zahlen oder Dezimalzahlen handelt. Nennen Sie dagegen nur hin und wieder einige Zahlen, können Sie ausschreiben: insbesondere, wenn Sie Ihren Lesern Geschichten erzählen (Stichwort Storytelling) und es sich um beschreibende Texte handelt.

2. Überschaubare Zahlen?

Bestehen Zahlen aus ein bis zwei Silben, empfiehlt der Duden, in Buchstaben zu schreiben. Längere Zahlen sollten laut Duden in Ziffern angegeben werden. Doch auch Zahlen mit drei oder vier Silben bleiben überschaubar: „zweihundert“, „viertausend“ oder „einundzwanzig“. Sind Zahlen gut zu erfassen (und nutzen Sie aus Prinzip Zahlwörter), dann greifen Sie zu ausgeschriebenen Formen.

3. Konkrete oder geschätzte Zahlenangaben?

Je nachdem, ob Sie Ziffern oder Zahlen schreiben: Sie lenken die Wahrnehmung Ihrer Leser(innen). Ziffern besitzen faktisch-mathematischen Charakter. Sie sind vorteilhaft, wenn Sie konkrete Zahlen anführen: „38 Beteiligte“, „27 Hektar“, „672 Besucherinnen und Besucher“. Doch bei ausgeschriebenen Zahlen denken die meisten an geschätzte Werte. „Zweihundertfünfzig Artikel“ wirkt anders als „etwa 250 Artikel“: Trotz Angaben wie „etwa“, „ungefähr“ oder „rund“ erinnern Ziffern an exakte Zahlen.

4. Dezimalzahlen?

Im Falle von Dezimalzahlen handelt es sich um exakte Zahlen. Und geht’s nicht gerade um „drei Viertel“ oder „anderthalbtausend“, geraten ausgeschriebene Dezimalzahlen sehr, sehr lang. Deshalb empfehlen sich Ziffern: Mit Angaben wie „29,35 Prozent“, „40,75 Kilometer“, „79,99 Euro“ oder „16:42 Uhr“ gestalten Sie Ihre Texte übersichtlicher und lesenswerter.

5. Einheitlichkeit?

Wenn Sie viele Zahlen, größere Zahlen und Dezimalzahlen nennen müssen, sollten Sie zugunsten besserer Lesbarkeit Ziffern statt Zahlen schreiben – auch bei Zahlen von 1 bis 12, bei Zahlen mit drei oder vier Silben und bei Angaben wie „anderthalb“ oder „zwölffach“. Entscheiden Sie sich für „1,5“ oder „12-fach“: weil Sie einheitlich mit Ziffern und Zahlen umgehen sollten und ein ständiges Hin und Her zwischen Ziffern und Buchstaben keine gute Idee ist.

Ihre Corporate Language – und die Sache mit der Rechtschreibung

Diese fünf Entscheidungshilfen können Sie heranziehen, wenn Sie noch keine einheitliche Unternehmenssprache haben – oder wenn Sie Ihre Corporate Language gerade erst entwickeln. Falls Sie bereits unternehmensspezifische Schreibweisen haben, gibt es einige Sonderregeln. Wenn Sie grundsätzlich Zahlwörter nutzen, können Sie

  • in Tabellen oder Grafiken dennoch zu Ziffern greifen,
  • auch in Ihren Angeboten, Rechnungen oder Lieferscheinen Ziffern verwenden.

Und schreiben Sie Zahlwörter statt Ziffern, macht Ihnen bisweilen die Rechtschreibung einen Strich durch die Rechnung. Denn manchmal sind allein Ziffern korrekt:

  • bei abgekürzten Maßeinheiten oder (Währungs-)Symbolen: „1.600 kWh“, „2-kg-Dose“, „12 %“, „25 €“ oder „69 EUR“,
  • bei der Schreibung von Eigennamen: „CHECK24“, „Plattform Industrie 4.0“ oder „iPhone 12“,
  • beim Datum und/oder Jahreszahlen: „29. August“, „15.9.2021“ oder „432 v. Chr.“,
  • bei Zahlen, die Nummern darstellen: Telefonnummern, Hausnummern, Postleitzahlen, IBAN- oder ISBN-Nummern.

Extratipp zum Schluss

Dass Sie Zahlen von 1 bis 12 nicht mehr als Zahlwörter, sondern durchaus als Ziffern schreiben können, führt zu Problemen. Konkret: im Falle der Ziffer „1“ und bei Angaben wie „Lieferung in 1 Tag“.

Denn „1“ bedeutet „eins“ und nicht „eine“, „ein“ oder „einem“. Solche unbestimmten Artikel werden nicht als Ziffern geschrieben. Auch wenn Sie sich im Rahmen Ihrer Corporate Language entschieden haben, Ziffern statt Zahlen zu schreiben: Formulierungen wie „Termin in 1 Woche“ oder „Wir machen Ihnen 1 Sonderangebot“ sind Fälle für den Rotstift.

Ausnahmen bleiben jedoch auch hier Tabellen, Lieferscheine oder Rechnungen: Dort sind Angaben wie „1 kg“ oder „1 LCD-Monitor“ vollkommen legitim – zugunsten der einheitlichen Schreibung in Ziffern.

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