Rechtschreibfehler im Werbetext: Wo Sie sich Regelbrüche erlauben können (und wo besser nicht)

Wortspiele im Firmentext: Holztisch mit Notebook, Brille, Notizbuch, Stift und roten Blättern

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Rechtschreibfehler und falsches Deutsch in Website- und Werbetexten? Das kann schlicht und einfach an schludriger Arbeit liegen. Sprachliche Schnitzer können aber auch bewusst eingesetzt werden: Sie sorgen für eine individuelle Note, sie schaffen Wiedererkennungswert. Nehmen wir die Dinge also auseinander. Wann hilft Ihnen falsche Rechtschreibung beim Marketing? Welche Nachteile gibt es? Und wann sind Rechtschreibfehler keine gute Idee?

Regelbrüche an der richtigen Position

Regelbrüche sind an prominenten Stellen am besten aufgehoben: entweder bei Eigennamen – oder in Slogans und Überschriften, in Untertiteln oder freistehenden Zeilen. In fortlaufenden Texten besteht die Gefahr, dass Grammatik- und Rechtschreibfehler als echte Fehler wahrgenommen werden. Oder dass Ihre Leser Ihre Wortspiele nicht durchschauen. Auch wenn Sie noch so kreativ sind: Wenn Ihre Leser Ihre Botschaften nicht verstehen, tun Sie sich keinen Gefallen.

Rechtschreibfehler in Firmen- und Produktnamen

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hält in seinem amtlichen Regelwerk fest: Für Eigennamen „gelten im Allgemeinen amtliche Schreibungen. Diese entsprechen nicht immer den folgenden Regeln“ (Stichwort Laut-Buchstaben-Zuordnungen: Vorbemerkungen, 3.2). Wobei mit „amtlichen Schreibungen“ Schreibweisen gemeint sind, die durch Einträge ins Handels- oder Markenregister offiziell gemacht wurden – und nicht die gültige Rechtschreibung.

Fakt ist: Produkt- und Firmennamen sind in den meisten Fällen als Eigennamen zu erkennen. Daher können Sie sich gewisse Freiheiten erlauben.

Großbuchstaben, Kleinschreibung, Binnenversalien

Bei Firmennamen und Produktbezeichnungen geht vieles: durchgängig verwendete Großbuchstaben, kleine Anfangsbuchstaben oder Binnenversalien. Bekannte Firmen und Institutionen machen es vor:

  • IKEA, E.ON, LEGO und SATURN,
  • adidas und nutella,
  • die Deutsche Bahn mit ihrem Programm BahnBonus und der BahnCard.

Unkonventionelle Schreibweisen stechen heraus. So sichern Sie sich einen Überraschungseffekt und die Aufmerksamkeit Ihrer Leser. Aber es ist wie bei der Sache mit der Suppe und zu viel Salz: Wenn Sie Ihren Firmennamen oder Ihre Produkte sehr oft nennen (müssen), kann das schnell nerven.

Überzählige Leerzeichen

Zusammengesetzte Begriffe werden in einem Wort oder mit Bindestrichen geschrieben. Doch in vielen Eigennamen tauchen unnötige Leerzeichen auf:

  • beim Thalia Theater in Hamburg, beim Maxim Gorki Theater in Berlin und bei der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar,
  • bei „E.ON KlassikStrom“, „E.ON ÖkoStrom“ und „E.ON WärmeService“,
  • beim „Kartoffel Gratin“ oder den „Brat Kartoffeln“ der Firma Pfanni oder
  • beim „Streusel Kuchen“ und beim „Käse Kuchen“ aus dem Haus Dr. Oetker.

Solche Schreibungen sind problematisch. „Herzogin Anna Amalia Bibliothek“ ist nur schwer als zusammenhängender Begriff zu erkennen: Die Lesbarkeit leidet. Und Bezeichnungen wie „Brat Kartoffeln“ oder „Streusel Kuchen“ wirken unfreiwillig komisch. Hier steht einfach nur die falsche Rechtschreibung im Mittelpunkt.

Schreiben Sie zusammengesetzte Wörter besser nur dann mit Leerzeichen, wenn sich keine Missverständnisse ergeben. Und falls Sie sich für Leerzeichen entscheiden: Denken Sie daran, alle Ihre Produktnamen mit Leerzeichen zu schreiben.

Falsche Apostrophe

Vor dem Genitiv-S darf eigentlich kein Apostroph stehen. Dennoch verwenden einige Firmen Apostrophe in ihrem Namen. Zum Beispiel die Brauerei Beck’s oder die Bäckereikette Schäfer’s. Möglich, dass sich beide Unternehmen international geben wollen. Im Englischen sind Genitiv-Apostrophe nämlich völlig korrekt.

Und große Konzerne profitieren von ihrer Bekanntheit. Namen wie „Beck’s“ oder „Schäfer’s“ wirken vertraut: Wir nehmen die eigenwillige Schreibweise leichter hin als bei unbekannten Firmen. Falls Sie Ihr Geschäft also „Anja’s Catering-Service“ oder „Daniel’s Hundesalon“ nennen (wollen): Verzichten Sie auf das sogenannte Hochkomma. Falsch gesetzte Apostrophe werden nicht umsonst als Deppenapostrophe verspottet.

Rechtschreibfehler und Wortspiele in Slogans und Firmennamen

Es gibt Werbeslogans mit gezielten Rechtschreibfehlern. Zum Beispiel „Actimel activiert Abwehrkräfte“: So etwas funktioniert, wenn das Unternehmen bekannt ist. Oder wenn wir die falsche Schreibung auf den ersten Blick einordnen können. Daher sollten Sie wohlüberlegt an solche Schreibfehler herangehen. Wenn Ihr Fehler nicht sofort verstanden wird, überfordern Sie Ihre Leser.

Unkonventionelle Schreibungen und Wortspiele sind in der Regel gut zu durchschauen, wenn Sie auf Ihre Branche anspielen. Wie im Falle der Fahrradwerkstatt „Radgeber“, die es gleich bei mir um die Ecke gibt. Oder wie beim Friseursalon „Schnittbrüder“, ebenfalls in meiner nächsten Nachbarschaft.

Vor allem Friseure genießen den Ruf, sehr kreativ vorzugehen: mit Namen wie „Haarmonie“, „Haareszeit“ oder „Kamm in“. Überall hier sind die wortwörtlichen und die übertragenen Lesarten mühelos zu verstehen. Allerdings: Solche Wortschöpfungen gehen etlichen Menschen auf die Nerven (geben Sie in den sozialen Netzwerken einfach mal das Hashtag #Friseurnamen ein).

Doch wenn Sie ein Wortspiel nutzen wollen, dann tun Sie es. Beziehen Sie sich auf Ihren Geschäftszweig und/oder Ihre Angebote, suchen Sie nach übertragenen Bedeutungen – und prüfen Sie, ob Ihre Leser diese übertragenen Bedeutungen problemlos mitdenken können. Zeigen Sie Ihre Textentwürfe einfach einigen Testlesern aus Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis.

Grammatikfehler im Werbetext

Vielleicht erinnern Sie sich noch an Verona Pooths (ehemals: Feldbuschs) Ansage „Da werden Sie geholfen“ – eine längst legendäre Werbung für die Telefonauskunft 11880. Und SATURN griff zu „Soo! muss Technik“ und „Wir lieben Technik. Wir hassen teuer“.

Wenn auch Sie mit falscher Grammatik liebäugeln, dann achten Sie wiederum darauf, dass Ihre Botschaften verständlich sind. „Da werden Sie geholfen“ hat nur funktioniert, weil Verona Pooths Grammatikschwäche zu ihrem Markenzeichen geworden ist. Ganz anders dagegen die SATURN-Slogans „Wir hassen teuer“ und „Soo! muss Technik“. Solche Formulierungen hätten auch bei Ihnen Aussagekraft: Hierfür müssen Sie nicht in der gleichen Liga spielen wie die prominente Fachmarktkette.

Bitte nicht: Rechtschreib- und Grammatikfehler ohne übertragene Bedeutung

Sprachliche Schnitzer sollen überraschen, witzig sein und gerne auch provozieren. Dazu müssen Ihre Leser die übertragene Bedeutung hinter eingebauten Fehlern mitdenken. Ist der Zusammenhang zu weit hergeholt, entsteht der Eindruck, Sie hätten schlampig gearbeitet.

Neulich hatte ich so einen Fall. Einen Kunden, der einen Teleshopping-Film produziert hat und mir sagte: „Ich denke, bei den eingeblendeten Texten kommt es auf korrekte Rechtschreibung nicht so an. Das bringt den lockeren Charakter zum Ausdruck.“ Dass falsch geschriebene Texteinblenden für Lockerheit und Zwanglosigkeit stehen: Daran hätten seine Zuschauer nie und nimmer gedacht. Sein Film ist aus guten Gründen ohne Rechtschreibfehler in Produktion gegangen.

Extratipp zum Schluss

Unorthodoxe Schreibungen, klug eingesetzte Rechtschreibfehler und griffige Wortspiele eignen sich als Hingucker. Sie sichern sich die Aufmerksamkeit Ihrer Leser: ein klarer Pluspunkt für Sie. Doch übertreiben Sie es nicht. Dosiert eingesetzte Wortspiele oder ein einzelner witziger Fehler reichen aus: in Ihrem Firmennamen, Ihrem Slogan oder in einzelnen Überschriften. Kommt zu viel zusammen, geht die Wirkung solcher Regelbrüche verloren.

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2 Kommentare

  1. Susann

    Danke für den interessanten Beitrag. Als Deppenapostrophe bezeichnet man meines Wissens aber die Accent-Striche.

    Antworten
    1. Sandra Meinzenbach (Beitrag Autor)

      Hallo Susann,

      „Deppenapostroph“ hat sich als spöttische Umschreibung für alle Apostrophe eingebürgert, die falsch gesetzt wurden. Die Website Deppenapostroph.info beschreibt es so: „Der Deppenapostroph (auch Idiotenapostroph genannt) ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für das Setzen von Apostrophen an Stellen, an denen das in der deutschen Sprache nicht erlaubt ist.“
      Ich würde keine Unterscheidung treffen, ob es sich um typografisch falsche Apostrophe handelt (beispielsweise um die Accent-Striche) oder um orthografische Fehler: um Apostrophe vor dem Genitiv-S oder vor dem Plural-S (zum Beispiel bei „DVD’s“).

      Viele Grüße
      Sandra Meinzenbach

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