Plädoyer für eine oft gescholtene Wortart: Füllwörter im Firmentext

Plädoyer für Füllwörter in Firmentexten: Motiv Schreibtisch mit aufgeschlagenem Magazin, Kaffeetasse und Wasserglas

© Oliver Thomas Klein | unsplash.com

Füllwörter haben es schwer. Laut Duden handelt es sich um Wörter mit geringem Aussagewert. Scheinbar sind sie überflüssig. „Vermeiden Sie Füllwörter“, ist häufig zu lesen. Oder: „Diese Wörter sollten Sie aus Ihren Texten streichen“. Doch Füllwörter sind nicht grundsätzlich schlecht: Sie verdeutlichen Zusammenhänge und unterstreichen die angestrebte Aussage. Für manche Textarten sind sie unerlässlich, in anderen Texten sind sie tatsächlich nicht zu empfehlen. Und auch die Tonalität eines Textes spielt eine wichtige Rolle. Wie so oft kommt es darauf an: Wann Sie Füllwörter verwenden sollten und wo Sie vorsichtig sein müssen, erfahren Sie in meinem heutigen Beitrag.

Was können Füllwörter?

Informationen: Füllwörter weisen auf Gegensätze und Unerwartetes, auf Auswirkungen oder zeitliche Zusammenhänge hin. Ebenso können sie akzentuieren und differenzieren: Füllwörter wie

  • aber, daher, dagegen und dennoch,
  • abrupt, plötzlich, schlagartig, trotzdem oder unvermittelt,
  • bislang, danach, derzeit, letztlich oder schließlich,
  • bisweilen, fast, gelegentlich, immer, meist oder häufig.

Oft sind diese Wörter für die Wirkung und das Verständnis eines Textes unverzichtbar. Ein Satz wie „Viele Füllwörter sind unnötig“ wird durch den Nachtrag „aber manche Füllwörter liefern wichtige Informationen“ effektiv ergänzt. Und „Füllwörter sollten gestrichen werden“ sagt etwas anderes aus als „Füllwörter sollten nur gelegentlich gestrichen werden“.

Zusammenhänge: Füllwörter bestimmen oder verdeutlichen den jeweiligen Kontext. In diese Kategorie fallen Wortgruppen oder Adverbien wie

  • in meinen Augen, meines Erachtens, unserer Meinung nach,
  • anscheinend, offenbar und scheinbar,
  • bekanntlich, quasi oder zweifellos.

„Nicht alle Füllwörter sind überflüssig“ setzt einen anderen Schwerpunkt als „Bekanntlich sind nicht alle Füllwörter überflüssig“. Durch „bekanntlich“ begegnen Sie mir auf Augenhöhe. Ich weise darauf hin, dass Sie als meine Leser genauso viel wissen wie ich – und dränge Sie, meinen Standpunkt zu teilen. Und wenn ich schreibe „Füllwörter dürfen nicht pauschal verurteilt werden“, stelle ich eine Behauptung auf. Anders dagegen bei „Meines Erachtens sind Füllwörter nicht pauschal zu verurteilen“. Hier hebe ich meine persönliche Ansicht hervor: Sie erhalten die Möglichkeit, sich meiner Meinung anzuschließen oder es nicht zu tun.

Lesbarkeit: Füllwörter machen Ihre Texte lesbarer. Sie bereichern Ihre Sätze mit Details und Emotionen, sie beugen allzu kurzen und abgehackten Formulierungen vor: durch Wörter wie

  • einerseits, andererseits oder andernfalls,
  • eigentlich, immerhin, tatsächlich, quasi und selbstverständlich,
  • wirklich, wohl oder ziemlich.

Zugleich lockern Füllwörter Ihre Texte auf. Denn sie werden vornehmlich in der gesprochenen Sprache verwendet: Mit Formulierungen, die Sie im Gespräch mit Kunden oder Kollegen nutzen, gestalten Sie Ihre Texte lebendiger.

Füllwörter für jede Textart?

Akzente, Betonungen und inhaltliche Zusammenhänge: Pointierungen durch Füllwörter sind in argumentierenden Texten (beispielsweise in Blogbeiträgen und Essays) unentbehrlich. Doch wenn Sie Ihre Angebote darstellen oder Ihre Kompetenzen hervorheben, sollten Sie auf Füllwörter verzichten. Dort schwächen Sie Ihre Aussagen ab – durch Formulierungen wie

  • „Wir blicken immerhin auf jahrzehntelange Erfahrung zurück“,
  • „Wir sind wirklich Experten in unserem Fachgebiet“ oder
  • „Ich bin durch viele Weiterbildungen quasi bestens geschult“.

Auf Flyern, Ihrer Leistungsseite oder Ihrer Über-uns-Seite zählen klare Ansagen und selbstbewusstes Auftreten: Nur dann überzeugen Sie Ihre Leser.

Füllwörter für jeden Sprachstil?

Füllwörter sorgen für plastische Texte. Sie lassen einen Satz bildhaft, blumig oder subjektiv klingen. Und sie kommentieren oder bringen Ironie ein. Wenn Sie sich jedoch einen prägnanten Ton wünschen, sollten Sie sich auf das Wesentliche beschränken – und Füllwörter streichen. Gleiches gilt für Kurztexte im Telegrammstil: beispielsweise bei Mitarbeiterbiografien auf Ihrer Über-uns-Seite. Dort irritieren Wörter und Wortgruppen wie „besonders“, „gleichfalls“, „unter anderem“ oder „des Weiteren“.

Füllwörter und der Gesamteindruck

Auch wenn Sie mit Füllwörtern inhaltliche Zusammenhänge betonen oder Informationen konkretisieren: Achten Sie darauf, nicht zu viele Füllwörter aneinanderzureihen. „Darüber hinaus haben Füllwörter sehr häufig keine echte inhaltliche Funktion, aber manchmal können sie auch hilfreich und durchaus nützlich sein“: Bei solchen Sätzen verlieren Ihre Leser den Überblick. Verwenden Sie Füllwörter immer bewusst und im Zweifelsfall sparsam.

Fazit

Füllwörter ohne Aussagewert verwässern Ihre Texte. Dennoch sind dosierte Füllwörter je nach Textart und beabsichtigter Botschaft sinnvoll. Entscheiden Sie daher immer im Einzelfall.
Übrigens: In diesem Beitrag tauchen laut Füllwörter-Test der Website schreiblabor.com satte 50 Füllwörter auf (sämtliche Beispiele und Beispielsätze ausgenommen). Haben Sie diese Wörter gestört? Oder sind Ihnen meine Füllwörter gar nicht aufgefallen? Melden Sie sich einfach im Kommentarbereich!

 

2 Kommentare

  1. Barbara Kettl-Römer

    Danke für diesen Beitrag und das Plädoyer zugunsten der Füllwörter. Ich lese auch oft die Behauptung, Füllwörter seien überflüssig. Dabei sind sie oft entscheidend für die Tonalität und die Emotionalität eines Textes.

    Antworten
    1. Sandra Meinzenbach (Beitrag Autor)

      Vielen Dank für das Feedback. Wie gesagt: Es kommt immer auf den Einzelfall, auf Tonalität und Aussage an. Füllwörter dürfen, je nach Kontext, durchaus sein.

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