„Hoch-Zeit“, „Anfahrtsgebühr“, „Social-Media-Marketing“: Drei Rechtschreibtipps für präzise Kopplungsstriche

Kopplungsstriche sind vorteilhafte Helfer. Sie vereinfachen unübersichtliche Zusammensetzungen. Und sie beugen Missverständnissen vor. Manchmal sind die kurzen Bindestriche geboten – und manchmal sind sie überflüssig. Worauf Sie achten sollten? Das erkläre ich anhand zweier Empfehlungen und einer Regel für korrekt gesetzte Kopplungsstriche.

Bindestriche für mehr Übersichtlichkeit

Es gibt diese zusammengesetzten Wörter, die sich nicht besonders gut lesen lassen: „Materialgemeinkostenzuschlagssatz“, „Remoteunterstützungsangebote“ oder „Hawaiiinsel“. Solche Wörter können natürlich am Stück geschrieben werden. Doch wenn Sie Bindestriche setzen, gestalten Sie Ihre Texte leserfreundlicher:

  • „Materialgemeinkosten-Zuschlagssatz“, „Remote-Unterstützungsangebote“ und „Hawaii-Insel“,
  • „Brennstoffzellen-Einheit“ statt „Brennstoffzelleneinheit“ oder
  • „Flüssigwasserstoff-Tank“ statt „Flüssigwasserstofftank“.

Achten Sie darauf, den Bindestrich immer an der Haupttrennfuge zu setzen. Sonst provozieren Sie falsche Lesarten: im Falle von „Material-Gemeinkostenzuschlagssatz“ oder „Flüssig-Wasserstofftank“ zum Beispiel.

Und auch nicht jede Zusammensetzung braucht Bindestriche. Trauen Sie Ihren Lesern ruhig zu, etwas längere Wörter souverän zu verarbeiten: Wörter wie „Steuernachzahlung“, „Servicetelefon“ oder „Bestsellerliste“.

Hilfreich sind Kopplungsstriche jedoch immer dann, wenn Missverständnisse entstehen könnten. Oder wenn der Bindestrich eine inhaltlich gebotene Betonung erzeugt:

  • um „Musik-Erleben“ und „Musiker-Leben“ zu unterscheiden,
  • um „Spiel-Erhaltung“ von „Spieler-Haltung“ abzugrenzen oder
  • um „Hoch-Zeit“ im Sinne von „Blütezeit“ zu kennzeichnen.

Bindestriche nach dem Fugen-S?

Ein Bindestrich zugunsten der Übersichtlichkeit: Gilt das auch für Zusammensetzungen, die ein Fugen-S enthalten? Unter anderem für „Anfahrtsgebühr“, „Besprechungsprotokoll“ oder „Weltuntergangsstimmung“? Ausdrücklich verboten sind Bindestriche nicht – aber wirklich nötig sind sie in den meisten Fällen auch nicht.

Denn das Fugen-S verbindet bereits. Ein zusätzlicher Bindestrich sieht nicht besonders gut aus, der Leser stolpert. Auch hier gilt: Muten Sie Ihren Lesern längere Zusammensetzungen einfach zu. Wörter wie

  • „Anfahrtsgebühr“, „Besprechungsprotokoll“ und „Weltuntergangsstimmung“,
  • „Auftragsbestätigung“, „Betriebseröffnung“ und „Dienstleistungsunternehmen“,
  • „Verkehrsinfrastruktur“, „Vermögensverwaltung“ oder „Versicherungspolice“.

Zu empfehlen sind Bindestriche allenfalls bei sehr komplexen Zusammensetzungen. Beispielsweise bei „Rentenversicherungs-Altersgrenzenanpassungsgesetz“. Aber zu solchen Bürokratiemonstern greifen Sie sicherlich nicht. Und sollten Ihnen einzelne Wörter in Ihren Website- und Werbetexten zu unübersichtlich erscheinen, dann lösen Sie sie auf:

  • „Unternehmen für Kommunikationsdienstleistungen“ statt „Kommunikationsdienstleistungsunternehmen“,
  • „Protokoll der Teamsitzung“ statt „Teamsitzungsprotokoll“ oder
  • „Software für die Betriebsführung“ statt „Betriebsführungssoftware“.

Das „Social Media“-Problem

Anglizismen sind inzwischen in rauen Mengen in die Alltagssprache eingegangen. Unter anderem Begriffe, die aus zwei Wörtern bestehen und die getrennt geschrieben werden:

  • „Social Media“, „Public Relations“ und „Corporate Language“,
  • „Best Practice“ und „Soft Skills“,
  • „High Potentials“ oder „Happy Hour“.

Häufig werden solche Anglizismen mit einem neuen Grundwort verbunden – und in diesem Fall wird durchgekoppelt:

  • „Social-Media-Marketing“ (statt „Social Media-Marketing“ und „Social Media Marketing“),
  • „Public-Relations-Abteilung“ (statt „Public Relations-Abteilung“ oder „Public Relations Abteilung“),
  • „Corporate-Language-Konzept“ (und nicht „Corporate Language-Konzept“ oder „Corporate Language Konzept“).

Doch wie so oft gibt es auch hier eine Ausnahme. Wenn Sie zweiteilige Anglizismen in Anführungsstriche setzen, ist der Kopplungsstrich überflüssig. Dann schließen Sie nur das deutsche Grundwort mit einem Bindestrich an:

  • „Best Practice“-Beispiel,
  • „Soft Skills“-Liste oder
  • „Happy Hour“-Angebot.

Beachten Sie jedoch: Anführungszeichen betonen sehr stark. Fragen Sie sich daher immer, ob Ihr Text eine solche Betonung und damit auch Anführungszeichen verträgt – und schreiben Sie im Zweifelsfall durchgängig mit Bindestrichen.

Extratipps zum Schluss

Achten Sie nicht zuletzt auf die korrekte Form: Bindestriche sind etwas kürzer als Gedankenstriche. Und bei Kopplungen, wie ich sie in diesem Beitrag beschrieben habe, folgen vor und nach den Bindestrichen keine Leerzeichen.

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