Keine Macht dem Deppenleerzeichen

Logo mit Deppenleerzeichen: Foto Liebig-Apotheke Leipzig (Außenfassade)

© Sandra Meinzenbach

Sogenannte Deppenleerzeichen verbreiten sich rasant: überall dort gesetzte Leerzeichen, wo eigentlich Bindestriche hingehören oder wo in einem Wort geschrieben wird. Der Lebensmittelhersteller Pfanni tischt „Bauern Frühstück“, „Kartoffel Gratin“ und „Brat Kartoffeln“ auf (letztere Aufforderung nehmen Sie jetzt bitte nicht wörtlich). Das Logistikunternehmen DHL schreibt über „DHL Sparsets“ und „DHL Online Frankierung“. Selbst meine Stammapotheke hat sich ein Deppenleerzeichen zugelegt. Aber immerhin: Zumindest im Schriftzug über dem Schaufenster ist, orthografisch korrekt, von „Liebig-Apotheke“ die Rede.

Das sagt der Duden: Leerzeichen, weil …

… man bei Zusammensetzungen mit Namen Bindestriche einfügt. Das gilt natürlich auch für Kombinationen mit Personennamen: für Möbel-Müller, Getränke-Wagner oder eben für Liebig-Apotheke. Ebenso werden Zusammensetzungen mehrerer Wörter oder Wortgruppen mit Bindestrichen gekoppelt: Latte-macchiato-Glas und Erste-Klasse-Kabine, Marketing-Agentur oder Online-Shop.

Ursachenforschung: Texte voller Deppenleerzeichen, weil …

… der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Was wir ständig sehen oder lesen, bleibt im Gedächtnis haften – und Deppenleerzeichen begegnen uns an allen Ecken und Enden. Nicht nur auf Verpackungen, in Anzeigen, auf Firmenschildern oder Werbeplakaten: Auch Google setzt uns überflüssige Leerzeichen vor. Automatische Wortvorschläge ergänzen begonnene Suchanfragen unaufgefordert zu „marketing agentur“ oder „online shop“. Und immer werden wir gefragt, ob wir „website texte“ meinen, wenn wir „Websitetexte“ eintippen. Oder „catering service“, wenn wir nach „Cateringservice“ suchen.

Anglizismen tun ihr Übriges. Aus Alltag und Beruf sind Begriffe wie „Social Media“, „Best Practice“ oder „Corporate Design“ nicht mehr wegzudenken. Diese Begriffe bestehen zu Recht aus zwei Wörtern, färben aber ebenso wie echte Deppenleerzeichen auf die Schreibung zusammengesetzter Wörter ab.

Im Sinne Ihrer Leser: Keine Deppenleerzeichen, weil …

… Sie von korrekter Rechtschreibung profitieren. Bindestriche statt fälschlich gesetzte Leerzeichen bringen Ihnen jede Menge Vorteile:

  • Sie drücken sich fehlerfrei aus – und vergraulen keine Kunden, die tadellose Texte schätzen. Wer Rechtschreibfehler macht, vermittelt das Gefühl, auch sonst schlampig und unzuverlässig zu arbeiten.
  • Ihre Leser können Zusammensetzungen leichter als zusammenhängende Begriffe erfassen. „Do-it-yourself-Anleitungen für ausgefallene Wohnideen“ liest sich sehr viel besser als „Trends für Ihr Zuhause: Kein Problem mit unseren Do it yourself Anleitungen“.
  • Sie stiften keine Verwirrung: Wer „Damen, Herren und Sportbekleidung“ anbietet, tut etwas anderes, als „Damen-, Herren- und Sportbekleidung“ zu verkaufen.
  • Sie sorgen nicht für unfreiwillige Komik. „Frisch zubereiteter Chef Salat mit Gurke und Schinken“? Hier könnten Zweifel aufkommen, ob es sich tatsächlich um Salat handelt.

Überprüfen Sie Ihre Werbeschilder, Slogans oder Produktbeschreibungen also auf fehlende Bindestriche – und erfreuen Sie Ihre Leser mit Firmentexten ohne irreführende Deppenleerzeichen.

 

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