Anglizismen oder keine Anglizismen? Checkliste für Ihre Firmentexte

Anglizismen in Firmentexten: Motiv Schaufenster mit der Beschriftung "Woman, Accessories, Man, Kids"

© Sandra Meinzenbach

Anglizismen oder lieber deutsche Begriffe? Zahllose Anglizismen sind in unseren Wortschatz eingegangen und kommen uns kaum noch wie Fremdwörter vor. Anderswo gehören englische Bezeichnungen zum Branchenjargon. Und wieder andere Vokabeln sollen dynamisch und modern klingen, wirken aber einfach nur deplatziert. Welche Anglizismen Ihren Firmentexten guttun und wann Sie zu deutschen Ausdrücken greifen sollten, erfahren Sie im heutigen Beitrag.

Grünes Licht: Alltagsanglizismen

Grünes Licht für alle Anglizismen, die im Alltag gebräuchlich sind: für englische Begriffe, die von jedermann benutzt und verstanden werden – oder für die es keine vergleichbar prägnanten deutschen Synonyme gibt. Dazu gehören Wörter wie

  • Blog, Computer und Comic,
  • Fitness, Flirt, Fan oder Interview,
  • Make-up, Manager und Marketing,
  • Service, Show, Ticket und Training,
  • Software, Smartphone, Spam oder Website.

Deutsche Umschreibungen wirken oft sehr sperrig. Sie erschweren die Lesbarkeit Ihrer Firmentexte: Formulierungen wie „eine Geschichte in gezeichneten Bildern“ statt „Comic“ oder „unerwünschte E-Mail-Werbung“ statt „Spam“ sind nicht die beste Wahl. Am besten, Sie überprüfen sich selbst. Anglizismen sind völlig in Ordnung, wenn Sie sie auch im Gespräch verwenden würden. Wollen Sie hingegen besonders hip und trendy (fünf Euro in die Anglizismus-Kasse) klingen, ist Vorsicht geboten.

Grünes Licht: Branchentypische Anglizismen

In einigen Branchen gehören Anglizismen einfach dazu. Wer in der Wirtschaft, im Technikbereich oder als Internetspezialist arbeitet, ist ohne englische Vokabeln aufgeschmissen: ohne Begriffe wie

  • Corporate Identity, Onlinebanking, Outsourcing und Recycling,
  • Browser, Back-up, Firewall, Server oder Scanner,
  • Download, Touchpad, Streaming oder Podcast.

Gehören Anglizismen in Ihr Fachgebiet, dann nutzen Sie sie auch. Als Computerexperte von „Rechner“ oder als Wirtschaftsberater von „Auslagerung an externe Firmen“ statt von „Outsourcing“ zu sprechen – das dürfte viele Leser verwirren. Achten Sie beim Schreiben Ihrer Firmentexte dennoch darauf, es nicht zu übertreiben. Anglizismen in jedem Satz oder in jeder zweiten Zeile sind alles andere als leserfreundlich. Und müssen Sie einzelne Begriffe sehr oft nennen und gibt es deutsche Alternativen, sollten Sie gelegentlich Synonyme einsetzen: „Nachricht“ statt „E-Mail“ oder „Datensicherung“ statt „Back-up“.

Gelbphase: Anglizismen nach Augenmaß

Bestimmte Gruppen oder Schichten, aber auch etliche Branchen favorisieren englische Vokabeln. In der Jugendsprache, in der Finanzwelt oder im Marketing gehören Anglizismen zum guten Ton: Begriffe wie

  • Best Practice, Business, Briefing oder Cashflow,
  • Deadline, Feedback oder Know-how,
  • Event, Highlight, Layout und Login (oder Log-out),
  • Social Media, Support oder Public Relations.

Für alle diese Beispiele gibt es treffende deutsche Bezeichnungen. Ob Sie englisch oder besser deutsch schreiben, hängt davon ab, wie Ihre Zielgruppe spricht. Anglizismen eignen sich, wenn Sie sich an Kollegen oder Geschäftspartner mit Affinität zum Englischen wenden. Oder wenn Sie junges und technikbegeistertes Publikum erreichen wollen. Doch auch Ihre firmeneigene Sprache spielt eine wichtige Rolle. Ein lockerer Ton spricht für dosierte Anglizismen. Treten Sie dagegen traditionsorientiert auf, empfehlen sich deutsche Begriffe:

  • beste (oder: vorbildliche) Lösung oder Erfolgsmodell statt Best Practice,
  • Geldfluss statt Cashflow und Soziale Netzwerke statt Social Media,
  • Erfahrung, Fachwissen oder Kompetenzen statt Know-how,
  • Entwurf oder Gestaltung statt Layout.

Alarmstufe Rot: Besser deutsch statt englisch

Wahrscheinlich sind auch Sie schon über englische Formulierungen gestolpert. Weil Ihnen manche Anglizismen übertrieben oder verfehlt vorkommen. Oder weil Sie nicht so ganz verstehen, was man Ihnen sagen will. Verzichten Sie also ebenfalls auf Anglizismen, die das Verständnis erschweren. Auch hier gilt: Prüfen Sie selbstkritisch, ob Sie lediglich trendig klingen wollen – und Ihre Firmentexte mit Floskeln spicken, die Sie aus der Werbung kennen. Mit deutschen Begriffen kommen Sie Ihren Lesern entgegen: mit

  • Auskunft, Information oder Serviceschalter statt Servicepoint,
  • Stichpunkte oder Aufzählungen statt Bullet Points,
  • qualifizierte Nachwuchskräfte statt High Potentials,
  • Hausmeister statt Facility Manager,
  • Klimaanlage statt Airconditioner und
  • Ansicht, Feststellung oder Kommentar statt Statement.

Deutsche Formulierungen verschaffen Ihnen einen unschätzbaren Vorteil: Sie können Synonyme wählen und unterschiedlichste Klangfarben in Ihre Firmentexte einbringen. „Stellungnahme“ meint etwas anderes als „Ansicht“, „Ansicht“ wirkt ungleich persönlicher als „Feststellung“. Und „Kommentar“ bedeutet wieder etwas anderes. Vergleichbare Abstufungen gelingen Ihnen mit dem Anglizismus „Statement“ nicht.

 

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